Don Quichotte und Ragotin – Zwei komische Helden in den preußischen Königsschlössern

Ausstellung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg vom 14. Februar bis 25. April 2004 im Schloss Charlottenburg, Neuer Flügel

"Geöffnet: 15. Februar bis 25. April 2004

Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr, Wochenende und Feiertage 11-18 Uhr

Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Kombikarten 10 EUR / 7 EUR

Katalog: Verkaufspreis in den Museumsshops der SPSG 26 EUR,

Buchhandelsausgabe 38 EUR

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zwei bedeutende französische Illustrationszyklen, die sich seit dem 18. Jahrhundert in den preußischen Schlössern befinden: Jean-Baptiste Paters Gemälde nach dem Roman comique von Paul Scarron und vier Wandteppiche mit Szenen aus dem Don Quichotte nach Vorlagen von Charles Coypel. Es handelt sich um Hauptwerke der französischen Kunst ihrer Zeit, für die die Könige in Berlin und Potsdam eigens Räume einrichten ließen, die noch heute erlebbar sind. Die Ausstellung präsentiert das erste Mal beide Zyklen gemeinsam und verfolgt ihre Entstehung sowie ihre Aufnahme und Präsentation in den preußischen Schlössern. Anhand von bedeutenden Leihgaben aus Deutschland, Frankreich und den USA werden Vorbilder, Vorstudien und Nachwirkungen dieser Werke dargestellt. Insgesamt sind rund 120 Werke zu sehen.

Paul Scarrons Roman comique (zuerst 1651 erschienen) beschreibt die turbulenten Abenteuer einer Schauspielertruppe in der Umgebung von Le Mans. Noch im 18. Jahrhundert gehörte Scarrons Buch zu den meistgelesenen Werken der französischen Literatur. Friedrich II. und seine Schwester Wilhelmine gehörten zu den zahlreichen begeisterten Scarron-Lesern und -Leserinnen der Epoche.

Der Maler Jean-Baptiste Pater (1695-1736), Schüler Antoine Watteaus, illustrierte ab 1729 Paul Scarrons Roman. Pater war von dem Pariser Verleger und Stecher Louis Surugue beauftragt worden, Vorlagen für grafische Blätter zu schaffen. Bis zu seinem Tode malte Pater 14 Gemälde mit Szenen aus Scarrons Buch, die heute als seine brillantesten Gemälde gelten. 1766 erwarb Friedrich II. diese Gemälde in Paris und ließ für sie eigens ein Lackkabinett im Neuen Palais von Sanssouci einrichten.

Der zweite Teil der Ausstellung rankt sich um den berühmten Tapisserie-Zyklus mit der Geschichte des Don Quichotte von Miguel de Cervantes (erstmals erschienen 1605). Dieses Meisterwerk der Romanliteratur wurde auch noch im 18. Jahrhundert häufig gelesen, nicht nur von Mitgliedern der preußischen Königsfamilie. Das Buch schildert anschaulich die Abenteuer des „Ritters von der traurigen Gestalt“ und seines treuen Knappen Sancho Panza. Eine Fülle lebhafter, teils kurioser Episoden haben Künstler zu allen Zeiten gereizt, die Textvorlage bildlich umzusetzen. Im 18. Jahrhundert war der ab 1715 entstandene Don-Quichotte-Zyklus des französischen Malers Charles Coypel besonders beliebt, unzählige Stichserien verbreiteten die Bilderfindungen in ganz Europa. Die Gemälde entstanden jedoch für die königliche „Manufacture des Gobelins“ in Paris, wo sie als Vorlagen (Kartons) für prachtvoll gerahmte Wandteppiche dienten.

Sechs dieser Wandteppiche erhielt Prinz Heinrich, der Bruder Friedrichs II., 1784 als Gastgeschenk des französischen Königs. Später schenkte er die Serie seinem Neffen, dem frischgebackenen König Friedrich Wilhelm II., der für sie in seinen neu eingerichteten Winterkammern im Schloss Charlottenburg zwei Zimmer einrichten ließ.

Beide Zyklen weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Sie entstanden nahezu gleichzeitig in Paris nach beliebten literarischen Vorlagen des 17. Jahrhunderts. Spanien spielt hier wie dort eine wichtige Rolle, wenn auch immer durch die französische Brille gesehen.

Die Ausstellung ergänzt die gleichzeitig im Alten Museum stattfindene Präsentation zur französischen Genremalerei im Zeitalter von Watteau, Chardin, Fragonard um den Aspekt der Literaturillustration. "

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