Skulpturen kehren nach zehn Jahren zurück

Dank der Potsdamer Schlössernacht konnte die Restaurierung der Balustrade am Sizilianischen Garten in Sanssouci abgeschlossen werden

"Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) konnte Dank der Spenden aus dem Kartenverkauf der Potsdamer Schlössernacht 2010 die Balustradenfiguren und die Seelöwenfontäne im Sizilianischen Garten im Park von Sanssouci restaurieren.

Im Herbst 2011 konnte die Restaurierung der Seelöwenfontäne bereits abgeschlossen werden. Die Brunnenschale wird links und rechts von Skulpturengruppen mit auf Löwen reitenden Najaden ergänzt, die 1858 und 1862 nach dem Modell von Julius Franz (1824–1887) in Marmor ausgeführt wurden. Die Bildhauer waren Eduard Stützel (1806–1877) und Alexander Gilli (geb. Berlin–1880 Berlin).

Mit dem Versetzen der noch fehlenden vier Skulpturen kann der Balustradenschmuck jetzt vervollständigt werden. Es handelt sich dabei um Werke nach antiken Vorbildern, die Aischines, Demosthenes, Sophokles und einen Römischen Feldherrn verkörpern. Sie sind um 1860 in Carrara Marmor von Eduard Mayer (1812 Trier–1881 Bad Aibling, Berliner Bildhauerschule) geschaffen worden.

Zustandsbeschreibung

Nach 150 Jahren an einem für Marmor schwierigem Standort im Außenklima zeigten die Skulpturen deutliche Verwitterungsschäden. Der Park mit seinen hohen Bäumen begünstigt eine verstärkte biologische Besiedlung mit Moosen, Flechten und Algen, unterstützt durch den Betrieb von Wasserspielen. Wasser und hohe Luftfeuchten haben bei der Verwitterung des Marmors generell eine große Bedeutung. Der Standort an der Straße bringt zudem neben den Belastungen durch Verkehrsstaub permanente Erschütterungen. Diese Vibrationen stellen eine erhöhte Belastung auf die Statik der Skulpturen dar.

Das Erscheinungsbild der Skulpturen war äußerlich durch einen starken biogenen Bewuchs sowie schwarzen Ablagerungen geprägt. Die schwarzen Ablagerungen bilden sich in den sogenannten Regenschattenzonen und wachsen zu kompakten schadstoffbelasteten Krusten auf. Die Oberflächen zeigten deutliche Verwitterungsschäden mit Substanzverlust und dem Verlust der Konturenschärfe. Zahlreiche Risse deuteten auf Materialspannungen und Bewegungen. Insbesondere die Risse in den Fußbereichen der Skulpturen gefährdeten die Standsicherheit.

Neben der visuellen Einschätzung brachte die Ultraschallmessung Werte über den strukturellen Zustand des Marmors im Inneren der Skulpturen. Damit wurde der Nachweis erbracht, dass neben einer oberflächigen Auflockerungszone von 3 bis 5 cm Tiefe bereits eine Auflockerung des Kerngefüges bestand, ein Phänomen, das bei Carrara Marmor unter bestimmten Klimaeinflüssen entsteht und zu Detailabbrüchen bis hin zum Totalverlust der Skulpturen führen kann.

Auf Grund des schlechten Zustandes wurden die vier Skulpturen bereits 2003 abgebaut und im Skulpturendepot untergebracht.

Restaurierungsmaßnahmen

- partielle Vorfestigung: Bevor mit der Reinigung begonnen werden konnte, wurden absandende Bereiche gefestigt.

- Reinigung der Oberflächen: Mit der Lasereinigung wurden die schwarzen Auflagerungen abgenommen, mit der Microdampfstrahlreinigung alle übrigen Auflagerungen beseitigt.

- Konservierung/Vollkonservierung: Bei den vier Balustradenfiguren war die innere Marmorstruktur derart geschädigt, dass ein von außen aufgebrachtes Festigungsmittel den geschädigten Kernbereich nicht erreicht hätte. Mit Hilfe des Vollkonservierungsverfahrens wurde ein Acrylat in einem technisch aufwendigen Verfahren in das innere Porensystem der Skulptur gebracht und gewährleistet mit unter 2 % Mengenanteil eine neue Verbindung der Calzitkristalle untereinander.

- Restaurierung: Die Risse wurden injiziert, gegebenenfalls mit eingeklebten Nadeln überbrückt. Aufgebrochene Marmoroberflächen wurden mit Ergänzungsmaterial geschlossen. Alte Zementergänzungen wurden entfernt und durch ein mit dem Marmor besser harmonisierenden Material ersetzt (gewaschenes Marmorgranulat mit einem Acrylat als Bindemittel)."

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