SPSG gibt ein Gemälde von Thomas Theodor Heine an jüdische Erben zurück

Brünn – Wittenberge – Potsdam

Von Thomas Theodor Heine 1905 gemalt: "Schäfchen". © SPSG/Roland Handrick

SPSG gibt ein Gemälde von Thomas Theodor Heine an jüdische Erben zurück

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) übergibt 81 Jahre nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten ein Kunstwerk den – in Großbritannien lebenden – Enkeln der Alteigentümerin, Max Beran und Coreen Rose (geborene Beran). Es handelt sich um das 1905 von dem Maler und Zeichner Thomas Theodor Heine (1867-1948) geschaffene Gemälde „Schäfchen“, das sich spätestens seit 1930 in der Kunstsammlung Irene Berans (1886-1979) in ihrem Haus in Brünn (Brno) befand. Haus und Sammlung wurden 1941 als jüdischer Besitz von den deutschen Besatzern enteignet.

1948 gehörte es zu einem Konvolut von Gemälden und Grafiken, die von der für das Land Brandenburg zuständigen Sowjetischen Militäradministration (SMA) am Kontrollpunkt Wittenberge beschlagnahmt wurden. Sie sollten aus der sowjetischen Zone über die Demarkationslinie in den Westen gebracht werden. Sehr wahrscheinlich erwarb die brandenburgische Landesregierung die Kunstwerke um 1950 und übergab zumindest einen Teil davon den Staatlichen Schlössern und Gärten Potsdam-Sanssouci. Bisher konnten 19 Kunstwerke aus dieser Transaktion in den Sammlungen der SPSG identifiziert werden. Bereits 2007 wurde eines der Werke, das „Porträt Irene Beran“ von Hugo von Habermann (1849-1929), an den Sohn der Dargestellten, Rudolph Beran, restituiert.

Verfolgung und Enteignung
Thomas Theodor Heines „Schäfchen“ wurde 2019 als ehemals der Sammlung Irene Berans zugehörig erkannt. Bis dahin hielten wir das Werk des Mitbegründers der Satirezeitschrift „Simplicissimus“ für das Eigentum des ebenfalls in Brünn lebenden Textilunternehmers Hermann Feinberg, der wie die Berans aufgrund seiner jüdischen Herkunft zu den Verfolgten des NS-Regimes gehörte. Denn bis mindestens 1927 befand es sich nachweislich in seinem Eigentum. Doch 1930 wurde das Gemälde in der Ausstellung „Gemälde und Plastiken aus Brünner Privatbesitz“ gezeigt, die vom Mährischen Kunstverein ausgerichtet wurde. Der Katalog dieser Ausstellung verzeichnete als Leihgeberin „J. B.“ (Irene Beran). Wann genau der Eigentumsübergang stattgefunden hatte, ist allerdings nicht bekannt. Doch mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass Hermann Feinberg und Irene Beran einander kannten. Beide Familien waren, zumindest bis zur Weltwirtschaftskrise, in der Brünner Textilindustrie erfolgreich.

1905 hatte Irene Beran, geborene Subak, Philip Beran (1880-1942) geheiratet, der im Textilunternehmen seines Vaters mitarbeitete. Das Paar trug eine bedeutende Sammlung – hauptsächlich – zeitgenössischer Kunst zusammen, darunter ein frühes Gemälde Oskar Kokoschkas (1886-1980) sowie Zeichnungen der wichtigsten Vertreter der Wiener und der Münchener Secession wie Gustav Klimt (1862-1918) oder Franz von Stuck (1863-1928). Die wenigen bekannten Fakten deuten darauf hin, dass Irene Beran die treibende Kraft beim Aufbau der Sammlung war, als deren Eigentümerin sie auch offiziell stets genannt wurde.

Anfang der 1920er-Jahre verliebte Irene Beran sich in ihren Schwager Bruno Beran (1888-1979). Der in Wien, München und Paris ausgebildete Maler und jüngere Bruder Philips knüpfte nach dem Ersten Weltkrieg an seine Münchener Kontakte an und teilte sich zeitweise ein Atelier mit Hugo von Habermann.1929 führte die Weltwirtschaftskrise zum Ruin des Textilunternehmens der Berans. Die Familie verlor auch ihr Wohnhaus und übersiedelte in eine zentral am Augarten (Park Lužánky) gelegene Wohnung. Gleichwohl behielt Irene ihre Kunstsammlung und stellte die Werke weiterhin öffentlich aus. Sie begleitete Bruno Beran immer häufiger auf seinen Reisen, und als er sich ein Atelier in Paris einrichtete, folgte sie ihm ganz dorthin. 1935 wurde die Ehe von Irene und Philip Beran geschieden. Philip Beran blieb in der Wohnung in Brünn und bei ihm mit größter Wahrscheinlichkeit ein Teil der Kunstsammlung Irene Berans, darunter ihr Porträt von Habermann und vermutlich auch Heines „Schäfchen“. Einen kleineren Teil, vornehmlich wohl Arbeiten Bruno Berans, nahm Irene Beran mit nach Paris. Diese Kunstwerke überdauerten Krieg und Shoah in der Obhut von Irene Berans Tochter Hermine, die durch Heirat Schweizer Staatsangehörige und als solche vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten geschützt war. Irene und Bruno Beran flohen später von Paris nach Kanada. Philip Beran blieb in Brünn. Er wurde am 5. Dezember 1941 zunächst nach Theresienstadt und von dort am 15. Januar 1942 nach Riga deportiert und ermordet.

Das Haus in Brünn, in dem Philip Beran vermutlich bis zu seiner Deportation lebte, wurde im November 1941 durch einen Treuhänder zwangsweise an den „Auswanderungsfonds für Böhmen und Mähren“ verkauft. Dabei handelte es sich um eine Einrichtung der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“, deren Aufgabe die Verwertung eingezogener jüdischer Vermögen war. Beschlagnahmte Wohnungen wurden geräumt, die Einrichtungen verkauft und die Erlöse auf ein spezielles Konto des „Auswanderungsfonds“ überwiesen. Auch Gestapo-Leitstellen aus Prag und Brünn konnten bei „Straffälligkeit“ der Verfolgten, beispielsweise wegen unerlaubter Landesflucht, jüdische Vermögen beschlagnahmen. Dies traf auch Irene und Bruno Beran: Eine ihrer Meldekarten trägt den Vermerk „der Protektoratsangehörigkeit verlustig erklärt“. Der Besitz der so Bestraften fiel an das Reich. Er wurde von der Gestapo eingezogen und zur Verwertung an das im Dezember 1941 eingerichtete „Vermögensamt beim Reichsprotektor in Böhmen und Mähren“ übergeben.

Höchstwahrscheinlich wurde auch Irene Berans Kunstsammlung beschlagnahmt und verwertet. Teile der Sammlung könnten so als Handelsgut in den östlichen Teil Deutschlands gelangt sein. Diese Annahme passt zu dem Bestand an Kunstwerken, der 1948 in Wittenberge beschlagnahmt wurde, denn dabei handelte es sich kaum um Umzugsgut von Flüchtenden, sondern viel eher um den Besitz eines Kunsthändlers, den dieser vor dem Zugriff der sowjetischen Besatzungsmacht in Sicherheit bringen wollte.

Für Irene Beran dürfte Thomas Theodor Heines Gemälde von sehr persönlichen Wert gewesen sein. Beran ist das tschechische Wort für Widder – und es fällt schwer, das Werk, dessen erotische Konnotation offensichtlich ist, nicht mit Gedanken an die Beziehung zwischen Irene und Bruno zu betrachten. Zeigt es doch ein Mädchen, das dem „Schäfchen“ einen herzförmigen Blütenkranz überstreift, während dieses das Mädchen verliebt ansieht. Natürlich konnte der Künstler, als er das Bild malte, noch nichts von der künftigen Besitzerin wissen. Aber möglicherweise hat es Irene Beran ja genau wegen dieser Deutungsmöglichkeit erworben.

Provenienzforschung in der SPSG
Die komplexe Geschichte des Beran-Bildnisses ist typisch für die Fälle NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, die sich häufig unter mehreren Schichten späterer Enteignungen, Verkäufen und anderer Eigentumsübertragungen verbergen. So müssen meist verschiedene Zeitebenen durchdrungen werden, um die Provenienz bis auf die Enteignung während der NS-Zeit zurückzuführen.

Seit 2004 untersucht die SPSG ihre Bestände systematisch auf die Existenz unrechtmäßig entzogenen Kunstgutes. Dabei wurde festgestellt, dass ca. 1.000 Objekte vermutlicher Fremdbesitz sind, also die Eigentumsfrage zu überprüfen ist. Viele dieser Objekte werden – wie auch im Fall Irene Beran – aufgrund der fehlenden Beziehung zu Sammlungszusammenhängen in der SPSG im Depot aufbewahrt.

Ein Großteil dieser Kunstgüter stammt aus brandenburgischen Schlossbergungen, die im Rahmen der Bodenreform durchgeführt wurden, sowie anderen Enteignungen durch die Sowjetische Militäradministration, aber auch aus fehlgeleiteten Kriegsverlagerungen, sowohl aus privater Hand als auch von anderen deutschen Museen. Auch fehlgeleitete Rückgaben von Museumsgut, das anlässlich der sowjetischen Rückgabeaktion von Beutekunst 1958/59 nach Potsdam kam, konnten in den Beständen identifiziert und restituiert werden. Als Ergebnis ihrer Provenienzforschung konnte die SPSG seit 2004 rund 160 Kunstwerke an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben.

Angaben zum Gemälde
Thomas Theodor Heine: Schäfchen, 1905, GK I 50364, Öl auf Holz, 84 x 83 cm

Wie ein verlorenes Lamm seinen Weg nach Hause fand
Präsentation zur Übergabe von „Schäfchen“ – Max Beran

Ich freue mich, hier zu sein, um das Schäfchen, dieses heitere Gemälde von Thomas Theodor Heine, entgegenzunehmen, das einst im Haus meiner Großmutter Irene in Brünn (Brno) hing und verloren ging, als die Nazis die Tschechoslowakei besetzten und unmenschliche Maßnahmen einführten, um die Juden um ihr Eigentum und ihre Lebensgrundlage zu bringen.

Im Namen meiner Familie möchte ich daher zunächst dem Generaldirektor der Stiftung, Professor Vogtherr, dem Direktor der Abteilung Schlösser und Sammlungen, Dr. Wittwer (der unseren Fall beschleunigt hat) und insbesondere der Provenienzforscherin Ulrike Schmiegelt dafür danken, dass sie dazu beigetragen haben, dieses historische Unrecht zu korrigieren. Soweit ich weiß, lag der Fall des „Schäfchens“ auf Ulrikes Schreibtisch, als sie vor zwei Jahren zur SPSG kam, und sie hat in der Tat in Windeseile die Geschichte des Bildes, die Sie in Ihrer Pressemappe gesehen haben, ermittelt. Wären da nicht die Lockdowns und Reisebeschränkungen von Covid-19 gewesen, hätten wir – meine Frau, mein Sohn Tom und ich – schon vor einem Jahr hier sein können.

Ich bin nicht zum ersten Mal bei der SPSG. Im Jahr 2007 war ich hier, um ein anderes verlorenes Gemälde abzuholen – ein schönes Porträt des Münchner Künstlers Hugo von Habermann (über den ich gleich mehr berichten werde) von Irene. Die Rückgabe des Bildes, das Porträt seiner Mutter, das er zuletzt 70 Jahre zuvor in seinem Elternhaus gesehen hatte, an seiner eigenen Wand zu sehen, war der Höhepunkt im letzten Lebensjahr meines Vaters. Die faszinierende Geschichte, die er über den Verlust und die Rückgabe des Bildes erzählte, wurde von den Zeitungen eifrig aufgegriffen. Deshalb möchte ich Ihnen einige Episoden aus „Schäfchens“ Geschichte aus der Perspektive der Familie erzählen – wie Irene zu dem Bild kam und es verlor und wie es wiederentdeckt wurde.

Episode 1 führt uns zurück in die frühen 1900er Jahre, als Irene ihre Sammlung mit Hilfe ihres Mannes Philipp, seines jüngeren Bruders Bruno und ihres Schwiegervaters Alois aufbaute. Die Familie, die durch die Herstellung von Wolltextilien zu Wohlstand gekommen war, war fest in das kulturelle Leben Mährens[1] und Wiens eingebunden. Irenes Sammlung umfasste zu dieser Zeit vor allem Werke von Künstlern aus ihrem Umfeld, zum Beispiel Ankäufe aus den Ateliers von Gustav Klimt und Egon Schiele.[2]

Bruno hatte sich dazu entschlossen, die Malerei zu seinem Beruf zu machen und über den Tellerrand seiner Heimat hinauszuschauen. Nach seinem Abschluss an der Münchner Akademie der Bildenden Künste im Jahr 1908 reiste er durch Europa und malte von einem Pariser Atelier am Montmartre aus. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war er gezwungen, sein Atelier aufzugeben, wodurch ein Großteil seines Frühwerks verloren ging. Nach den Kriegswirren kehrte Bruno nach München zurück, wo er ein Atelier in Habermanns Haus in Schwabing, Münchens eigenem „Montmartre“, bezog. Habermann (eine führende Persönlichkeit der Münchner Sezession) war nicht nur Brunos Vermieter, sondern auch ein Mentor, der ihm half, die Traumata des Krieges zu überwinden. Ein weiteres Atelier in Habermanns Haus wurde von Thomas Theodor Heine genutzt, dem Herausgeber der satirischen Kunstzeitschrift „Simplicissimus“. Bruno schrieb gelegentlich mit, auch für die Jugendzeitschrift „Jugend“.

Irene entwickelte eine zunehmend romantische Beziehung zu Bruno, und obwohl sie noch mit Philipp verheiratet war, kam sie häufig nach München, wo sie sowohl für Habermann als auch für Franz von Stuck Modell stand (wie zuvor in Wien für Egon Schiele). Sie erweiterte ihre Sammlung durch den Erwerb von Werken aus diesem neuen Kreis von Zeitgenossen in München[3] und der benachbarten Dachauer Künstlerkolonie[4]. Von Heine erwarb sie „Simplicissimus“-Karikaturen und eine Skulptur, während die Forschung nahelegt, dass das Bild „Schäfchen“ von 1905 zuerst von einem befreundeten Sammler in Brünn erworben wurde. Wir wissen nicht, was Irene an „Schäfchen“ angezogen hat; Ulrike hat die Namensassoziation vorgeschlagen, „Beran“ ist das tschechische Wort für Widder.

Episode 2 betrifft die Zeit vor dem Verlust des Bildes. Die Situation in Bayern wurde durch den aufkommenden Antisemitismus und die schlechte finanzielle Lage immer schwieriger, so dass Bruno und Irene, inzwischen verheiratet, in den 1930er Jahren ein Nomadendasein zwischen Brünn, Paris und Ibiza führten. Bruno machte sich einen Namen als Künstler und Irene unterstützte das Brünner Künstlerhaus weiterhin durch Leihgaben aus ihrer Sammlung. Auch Thomas Theodor Heine hatte es in München nicht leicht, hinzu kamen Probleme mit den Behörden, die er im „Simplicissimus“ gnadenlos verspottet hatte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Bayern war er gezwungen, in der Tschechoslowakei Zuflucht zu suchen, wobei er die meiste Zeit dieses Exils zufällig bei Verwandten der Familie Beran, Artur und Otto Eisler, verbrachte. Die Eislers waren wichtige Bauunternehmer in Brünn, vor allem die berühmte Villa Tugendhat von Mies van der Rohe war eines ihrer Projekte.

Nach der Machtübernahme der Nazis und der Durchsetzung der Nürnberger Gesetze war die Tschechoslowakei für Heine als Jude und als gesuchter Flüchtling natürlich kein sicherer Ort mehr. Auch für die große jüdische Bevölkerung Brünns wurde das Leben immer unerträglicher und gipfelte schließlich in den Massentransporten von 1942 und der „Endlösung“. Irenes Ex-Ehemann Philipp und ihre Mutter Leopoldina waren bis zuletzt im Haus geblieben und kamen im Holocaust um, ebenso wie Artur und seine Frau, eine Cousine der Berans. Der gesamte Besitz ging verloren und Bruno und Irene flüchteten in ein neues Leben in den USA. Otto Eisler fand wie Heine Zuflucht in Skandinavien, Heine starb 1948 in Stockholm. Bruno und Irene versuchten nie, ihr altes Leben wiederaufzubauen, und ihre Tage endeten 1979 in Palma de Mallorca. Mein Vater fand ein Zuhause in England, wo meine Schwester und ich, die gemeinsamen Erben von „Schäfchen“, leben.

Wenn wir uns nun der Wiederentdeckung von „Schäfchen“ zuwenden, führt uns Episode 3 zu einem Besuch meines Vaters im Jahr 2000 in Brünn. Dort erzählte er seine Erinnerungen an das Leben zu Hause für die Veröffentlichung in einem Band des Brünner Dum Umeni (des umbenannten Künstlerhauses), das sein hundertjähriges Bestehen feierte. Sein Gesprächspartner war Lubomír Slaviček, ein Kunsthistoriker von der Masaryk-Universität, der den Namen Beran gut kannte, da die Familie Pionierarbeit für den deutschsprachigen Kunstverein geleistet hatte und Irene häufig Kunstwerke aus ihrer Sammlung zu seinen Ausstellungen beisteuerte.

Dr. Slaviček untersuchte Irenes Sammlung eingehend im Rahmen seines wissenschaftlichen Interesses an jüdischen Sammlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts. Anhand eines Presseberichts aus dem Jahr 1930 wies er auf Irenes Leihgaben von Bildern und Skulpturen von Thomas Theodor Heine hin und konnte über neuere Studien zu Heines Werk wie Thomas Raffs „Der Biss des Simplicissimus“ eine Verbindung zur SPSG herstellen.

Den Rest kennen Sie aus dem Pressedossier, und wenn es eine Episode 4 gibt, dann die, dass die Aufgabe der Provenienzforschung weitergeht. Die „Schwerstarbeit“ wird von den Wiener Fachleuten erledigt, aber es gibt viel, was mich motiviert – nicht nur die Aussicht auf die Rückgabe von Kunstwerken und die Wiedergutmachung eines historischen Unrechts, sondern auch die erstaunlichen Leistungen festzuhalten, die Irene vollbracht hat. Was ich hier angedeutet habe, ist nur die Spitze des Eisbergs. Ich plane einen Tag in der Berlinischen Galerie, um archivierte Karteikarten der Galerie Würthle in Wien zu studieren, einer Galerie, bei der Irene häufig kaufte und ihre Kunstwerke lagerte, ausstellte sowie verkaufte. Die Galerie wurde veräußert, und ich hoffe, einige Hinweise auf das Schicksal anderer Bilder von Irene zu finden, wie z. B. ein Klimt-Porträt, dem wir auf der Spur sind.[5] Die Familie besaß mehrere Klimt-Werke, von denen einige direkt vom Künstler erworben wurden.

Ich fürchte, dass ich mit diesem familiären Exkurs bereits zu viel von Ihrer Zeit in Anspruch genommen habe, hoffe aber, dass er einen Eindruck von der gewundenen Natur der Provenienzforschung aus familiärer Sicht vermittelt, so dass ich abschließend noch einmal Ulrike und den Kollegen hier bei der SPSG für die Rückgabe von Heines „Schäfchen“ danken möchte. Was das „Schäfchen“ selbst angeht, so wird es sein neues Leben mit meinem Sohn Tom beginnen, der heute hier bei mir ist.

[1] Zum Beispiel als Gründungsmitglieder und Stifter des Mährischen Kunstvereins und seines imposanten Künstlerhauses. Einen Überblick über das Familienleben, die kulturellen Aktivitäten und die Sammlung finden Sie auf den historischen Seiten von www.brunoberan.com .

[2] Die Kunsthistorikerin Sophie Lillie und die Rechtsanwältin Elisabeth Steiner arbeiten daran, weitere Gegenstände aus Irenes Sammlung aufzuspüren und wiederzufinden. 200 Werke sind bekannt, darunter große Namen wie Klimt, Schiele, Kokoschka, Makart,

Romako, Corinth, von Stuck und von Uhde.

[3] Neben Heine, Habermann und Stuck; Olaf Gulbrannson, Josef Hegenbarth, Julius Hüther, Max Mayrhofer, Walther Püttner, Leo Putz, Leo Samberger, Karl Schwalbach, Carl Strathmann, Wilhelm Trübner, und Albert Weissgerber.

[4] Zum Beispiel Arthur Langhammer, Fritz von Uhde, Felix Harta, Tina Blau. Bruno berichtet in seiner Biographie, dass er als Student viel Zeit in der Kolonie verbracht habe, die ihn mehr beeinflusst habe als seine Akademie-Lehrer von Zügel und Heterich.

[5] Lubomir Slaviček, "Klimt, Schiele, Kokoschka and Others: The Irene Beran Collection of drawings in Brno", Ars linearis VI, 2016, 157–162

 

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