Jahrespressegespräch – Vorschau 2021

Entsprechend den vom Bund sowie den Ländern Brandenburg und Berlin beschlossenen Regelungen zur Eindämmung von Neuinfektionen mit dem Coronavirus kann es auch im laufenden Jahr 2021 zu veränderten Laufzeiten von Ausstellungen und zu Verschiebungen oder Absagen von Veranstaltungen kommen. Bitte beachten Sie deshalb auch alle aktuellen Hinweise auf dieser Website.

Ausstellungen

Das gläserne Gedächtnis
Die preußischen Schlösser in historischen Ansichten
1. Mai bis 31. Oktober
Römische Bäder, Park Sanssouci, 14471 Potsdam

Die Erfindung der Glasgelatinetrockenplatten revolutionierte vor 1900 die Fotografie – und gewährt uns heute Rück- und Einblicke in Zustände der Schlösser und Gärten in ihrem historischen Umfeld. Mehr als 20.000 Glasnegative werden in der Fotosammlung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) aufbewahrt. Sie stammen aus der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang der 1980er Jahre und sind ein bedeutender Teil des visuellen Gedächtnisses der Stiftung.

Besonders wertvoll sind Fotografien, die vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden. Sie bilden den Schwerpunkt der Ausstellung „Das gläserne Gedächtnis“, die vom 1. Mai bis 31. Oktober in den Römischen Bädern im Potsdamer Park Sanssouci zu sehen sein wird.

Die Ausstellung zeigt neben historischen Aufnahmen der Schlösser in Berlin und Brandenburg vor allem Fotografien von Schloss- und Gartenensembles, die vor 1945 als Museumsschlösser zur preußischen Schlösserverwaltung gehörten. In Folge des Zweiten Weltkriegs und der deutsch-deutschen Teilung werden sie heute von anderen Institutionen verwaltet, so unter anderem die Schlösser im Rheinland, Schloss Mohlsdorf in Thüringen oder Kassel-Wilhelmshöhe. Andere wurden zerstört, wie die Stadtschlösser in Königsberg, Berlin und Potsdam. Die historischen Aufnahmen dokumentieren Kriegseinwirkungen und Bauschäden, Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Andere Konvolute entstanden im Zusammenhang mit den Auslagerungen des Kulturguts seit Kriegsbeginn. Auch Aufnahmen von Kunstobjekten, die seit Kriegsende verschollen sind, befinden sich in der Sammlung.

Bei den historischen Aufnahmen handelt es sich um Negative auf Glasgelatinetrockenplatten. Dieses Fotomaterial, das um 1878 auf den Markt kam, war erstmals lagerungsfähig. Zudem ermöglichte es durch sehr kurze Belichtungszeiten Momentaufnahmen und dokumentarische Fotografien außerhalb der Ateliers. Die Sammlung der SPSG enthält auch einige farbige Glasplattendias, sogenannte Autochrome, aus der Werkstatt des Berliner Fotopioniers Ottomar Anschütz (1846-1907).

Nicht zuletzt sind die Aufnahmen für die Forschung und die konservatorisch-restauratorische Betreuung von Kunstwerken von unschätzbarem Wert. In der Ausstellung werden ausgewählte Kunstobjekte und Architekturfragmente neben den Fotografien mit ihrer Abbildung präsentiert.

Zur Ausstellung liegt ein Begleitband vor:
Jürgen Becher: Das Gläserne Gedächtnis – Preußische Schlösser in historischen Ansichten. Herausgegeben von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Edition Braus, Berlin 2020, 144 Seiten, 120 Abbildungen, 28 Euro (ISBN 978-3-86228-207-4).
 

StilBRUCH?
Die Moderne im Wiederaufbau von Schloss Charlottenburg
Online-Ausstellung
Mai 2021
Google Arts and Culture

Im Mai 2021 wird die SPSG erstmals eine aufwendige Online-Präsentation veröffentlichen. Die Ausstellung auf der Plattform Google Arts & Culture widmet sich der Rolle der Moderne im Prozess des Wiederaufbaus von Schloss Charlottenburg. Der Schwerpunkt liegt auf dem zeitgenössischen Deckenbild des Malers Hann Trier (1915-1999) von 1972 im Weißen Saal des Neuen Flügels. Diesem war eine langjährige Diskussion über eine mögliche Rekonstruktion des – vom preußischen Hofmalers Antoine Pesne (1683-1757) geschaffenen – barocken Deckenbildes vorausgegangen. Die Ausstellung liefert einen Beitrag zur Rekonstruktions-Debatte, die seit der Wende mit Bauprojekten wie dem Berliner Humboldt Forum oder zuletzt dem Paradeappartement im Dresdner Schloss neu entfacht wurde. Nicht nur die neuen Erkenntnisse aus Archivmaterialien der 1940er bis 1970er Jahre und der Fund der großen Entwürfe zum Deckenbild erlauben einen Einblick in die spannende Zeit des Wiederaufbaus, sondern auch Interviews mit Zeitzeugen.

Fünf frei wählbare Themenschwerpunkte informieren die Besucherinnen und Besucher der Onlineplattform über den unterschiedlichen Umgang mit kriegszerstörten Schlössern in Berlin und der Rolle der ehemaligen Direktorinnen und Direktoren der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Berlin Margarete Kühn (1902-1995) und Martin Sperlich (1919-2003) beim Wiederaufbau von Schloss Charlottenburg. Die verschiedenen denkmalpflegerischen Ansätze, die im Schloss umgesetzt wurden, werden vorgestellt und besonders der Umgang mit den verlorenen Deckenbildern beleuchtet. Das verlorene Deckenbild von Antoine Pesne im Weißen Saal wird in den Fokus gerückt sowie der langjährige, öffentlich geführte Entscheidungsprozess über den Umgang mit diesem Verlust dargestellt. Hann Trier und seine vielen Entwürfe für den Weißen Saal spielen dabei eine besondere Rolle, aber auch die Entwürfe für eine mögliche Rekonstruktion von Karl Manninger (1912-2002) werden vorgestellt. Die Auswirkungen der Debatte um das Deckenbild im Weißen Saal auf Folgeprojekte im Schloss Charlottenburg und die Kunst Hann Triers bilden den Abschluss, bevor der Bogen in die Gegenwart gezogen wird: Persönlichkeiten, die sich theoretisch oder praktisch mit der Thematik beschäftigen, geben kurze Statements zur Frage: Die Moderne heute in der Denkmalpflege – eine Alternative?

Als Ergänzung zur virtuellen Präsentation wird 2022 eine Sonderausstellung im Neuen Flügel von Schloss Charlottenburg gezeigt. Dort werden unter anderem die Entwürfe Hann Triers und Karl Manningers zum Weißen Saal zu sehen sein.
 

Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt
Mai bis 31. Oktober
Schloss Cecilienhof, Im Neuen Garten 11, 14467 Potsdam

Aus Anlass des 75. Jahrestags der Potsdamer Konferenz präsentierte die (SPSG) 2020 die Ausstellung „Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt“ im Schloss Cecilienhof in Potsdam. Wegen coronabedingter Schließungen und der großen Nachfrage wird die Schau nun bis zum 31. Oktober 2021 verlängert. Der Ausstellungsort ist der authentische Schauplatz des Ereignisses von welthistorischer Bedeutung, dessen lokale und globale Dimension die SPSG erstmals in einer großen Schau thematisiert.

Neben der Darstellung der Entscheidungen und Abläufe der Potsdamer Konferenz steht in allen Ausstellungsbereichen auch die Sicht derjenigen im Fokus, die von den Verhandlungen und weitreichenden Entscheidungen der Zusammenkunft unmittelbar und mittelbar betroffen waren. Damit wird erstmals der Gegensatz zwischen den abstrakten Entscheidungen der Siegermächte und dem konkreten Erleben der Konsequenzen sichtbar. Bekannten historischen Persönlichkeiten wie Churchill, Stalin und Truman stehen hier die Schicksale vieler „Namenloser“ der Geschichte (Atombombenopfer, Vertriebene, Kollaborateure etc.), vertreten durch zum Teil bewegende Exponate, gegenüber. Aussagekräftige Exponate in Verbindung mit multimedialen Elementen vermitteln eine lebendige und anschauliche Atmosphäre und nehmen die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise vom Jahr 1945 bis in die Gegenwart.
 

Machtmensch. Familienmensch. Der Große Kurfürst
400 Jahre Friedrich Wilhelm von Brandenburg – Spurensuche in den Schlössern seiner Frauen
Mai bis 31. Oktober
Schlossmuseum Oranienburg, Schlossplatz 1, 16515 Oranienburg
Schloss Caputh, Straße der Einheit 2, 14548 Schwielowsee

Am 16. Februar 1620 kam Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der als „Großer Kurfürst“ zu den prominentesten Hohenzollern zählt, im Berliner Schloss zur Welt. Das Edikt von Potsdam 1685 und die Aufnahme tausender Hugenotten, Religionsflüchtlinge aus Frankreich, hat ihn über die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannt gemacht. Bis zu seinem Tod 1688 war seine 48-jährige Regierungszeit von den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges und auch in der Folge von ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Die Familienpolitik Friedrich Wilhelms zielte auf seine Machtentfaltung und die Erhaltung der Dynastie ab.

Anlässlich des 400. Geburtstags Friedrich Wilhelms 2020 hat die SPSG den Großen Kurfürsten in zwei Häusern in den Fokus gerückt und Facetten seines Lebens und Herrschens in den ehemaligen Wohnsitzen seiner beiden Ehefrauen thematisiert. Wegen coronabedingter Schließungen wird auch diese Ausstellung wird bis zum 31. Oktober 2021 an beiden Standorten verlängert.

Macht- und Familienpolitik laufen im Krieg, der Dynastie, dem Handel und der Repräsentation zusammen und offenbaren in den Ausstattungen der Schlösser, wie Friedrich Wilhelm seine Herrschaft festigte und entfaltete. In der Kunst präsentierte sich der Kurfürst als Machtmensch in Herrscherpose oder in Rüstung, bereit, in den Krieg zu ziehen. Andere Gemälde zeigen ihn als Familienmensch mit seinen Gemahlinnen in erster und zweiter Ehe und mit seinen Kindern.

Online-Ausstellung
https://short.museum-digital.de/kurfuerst

Veranstaltungshöhepunkte – eine Auswahl

30 Jahre Kammeroper Schloss Rheinsberg
22. Juni bis 14. August 2021
Schloss Rheinsberg, Schloss Rheinsberg 2, 16831 Rheinsberg

Internationales Festival zur Förderung junger Opernsänger; Aufführungen im Spiegelsaal, auf dem Schlosshof, auf der Wiese vor dem Kavalierhaus sowie im Hecken- und Schlosstheater.
 

Potsdamer Schlössernacht 2021
Les Rendez-Vous au Park Sanssouci
20. / 21. August 2021
Park Sanssouci, Zur Historischen Mühle, 14469 Potsdam

Ein Höhepunkt des Sommers 2021 wird die Potsdamer Schlössernacht im Park Sanssouci sein. Am 20. und 21. August 2021 dürfen sich die Besucherinnen und Besucher auf zwei von französischer Lebenslust inspirierte Nächte im illuminierten Park Sanssouci freuen, an denen die vielleicht größte Varieté-Meile aller Zeiten mit umfangreichem Hygienekonzept zum Flanieren und Staunen einlädt.

Neben einem facettenreichen Live-Musikprogramm und Themenführungen werden Flanierende von zahlreichen Performances in ihren Bann gezogen, ob mit einer spektakulären Luftdarbietung an einer Weltkugel der Sol‘Air Company, einer amüsanten Stangenartistik von Noah Chorny oder einem außergewöhnlichen Friseur, der mit seinem mobilen Salon die Besuchenden für einen Tag zur Marquise oder zum Graf werden lässt.

Die mittlerweile etablierten und beliebten Lesungen unter dem Motto „Leise Töne, markante Stimmen, spannende Geschichte(n)“ mit prominenten Stimmen aus der Film- und Fernsehwelt reichen in diesem Jahr von „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry bis „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne.

Weitere Informationen und Programmdetails immer aktuell unter
www.potsdamer-schloessernacht.de


Gartenfest am Schloss Babelsberg
Schlossillumination und musikalisch-literarisches Programm
28. August 2021
Park Babelsberg, 14482 Potsdam

Rund um das Schloss Babelsberg können sich Besucherinnen und Besucher am 28. August auf ein vielfältiges musikalisch-literarisches Programm freuen. Am Pleasureground kommen romantische Lieder und Arien zu Gehör, auf den Schlossterrassen lädt Dudelsackmusik zum Verweilen ein und am Michaelsdenkmal finden Lesungen für Kinder und Erwachsene statt. Einzigartig ist die festliche Illumination der Schlossterrassen mit hunderten von bunten Glaslämpchen.


Besuch im Restaurierungsatelier
III. und IV. Quartal 2021
Verschiedene Orte der SPSG

Ein neues Format für den Blick hinter die Kulissen: Während eines Besuches in einem Restaurierungsatelier werden Kunstobjekte, ihre Geschichte, Untersuchungen, Analysen und die Restaurierung vorgestellt. In kleinen Gruppen (max. 15 Personen) lernen Besucherinnen und Besucher restauratorische Arbeitsweisen kennen und kommen mit den Restauratorinnen und Restauratoren ins Gespräch. Vorgesehen sind ein Besuch in der Skulpturenrestaurierung im III. Quartal 2021 und im Atelier für die Restaurierung von Kunstobjekten aus Glas, Porzellan und Keramik im IV. Quartal 2021.


Vor 150 Jahren
Vortragsreihe zur Gründung des Deutsches Kaiserreichs 1871
26. August, 2., 9. und 16. September
Schloss Babelsberg, 14482 Potsdam

Mit Vorträgen von
Prof. Dr. Dominik Geppert, Universität Potsdam: Vergangenes Reich. Warum uns das Kaiserreich wieder näher rückt
Dr. Thomas Weißbrich, Deutsches Historisches Museum, Berlin: Das Eiserne Kreuz von 1870. Preußische Erinnerungs- und Emotionsgeschichte
Prof. Dr. Christoph Nonn, Universität Düsseldorf: Die Deutsche Reichsgründung – Geschichtspolitik in Bildern
Jörg Kirschstein, SPSG: Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921). Erster Weltkrieg – Revolution – Beisetzung


Führungen durch das Schlosstheater im Neuen Palais
Herbst 2021
Neues Palais, Am Neuen Palais, 14469 Potsdam

Das Schlosstheater im Potsdamer Neuen Palais kann künftig im Rahmen einer Führung besucht werden. Sofern es die Corona-Eindämmungsverordnung erlaubt, sind dafür zunächst drei Termine in der Zeit von September bis November 2021 geplant. Ziel ist es, interessierten Gästen – analog zu anderen historischen Schlosstheatern wie in Gotha oder Ludwigsburg – die individuelle Besichtigung unabhängig von Konzert- oder Opernbesuchen zu ermöglichen.

Im Rahmen der Führung wird die Raumfolge der Oberen Roten Kammern (Pesne-Galerie) mit ihrem vorhandenen Gemälde-Bestand zur Einführung in das Thema „Musik und Theater am friderizianischen Hof des 18. Jahrhunderts“ genutzt. Musik und Opernpflege am Hof des ersten preußischen Königs Friedrich I. (1657-1713) werden ebenso erörtert wie die Kammerkonzerte Friedrich des Großen (1712-1786). Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler werden vorgestellt und es wird eine Übersicht der vom König und seiner Familie errichteten Theater und Opernhäuser geben. Abschließend wird im Schlosstheater dessen Kunst- und Nutzungsgeschichte sowie die Entwicklung der Inszenierungspraxis in den vergangenen 250 Jahren behandelt.


20 Jahre Schloss Paretz
Schloss und Schlossgarten Paretz im abendlichen Lichterglanz
2. Oktober 2021
Schloss Paretz, Parkring 1, 14669 Paretz / Ketzin

Für das preußische Thronfolger- und spätere Königspaar Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) und Luise (1776-1810) zwischen 1797 und 1810 nach Entwürfen des Architekten David Gilly (1748-1808) planmäßig angelegt und mit hohem ästhetischen Anspruch ausgeführt, gilt Paretz noch heute als das Musterbeispiel der preußischen Landbaukunst um 1800. Es erfüllte sowohl den Wunsch nach einem königlichen Landsitz als auch die Anforderungen an ein funktionierendes Bauerndorf. Die Innenräume des Schlosses mit ihren gemalten und gedruckten Papiertapeten und hervorragenden Beispielen der Berliner Möbelkunst der Zeit um 1800 hatten sich ohne größere Veränderungen bis 1945 erhalten. Denn um das Andenken an die 1810 verstorbene Königin Luise zu wahren, blieben die Räume weitgehend unangetastet. Erst nach der Entfernung der Tapeten 1947 und durch den Umbau zur Bauernhochschule „Edwin Hoernle“ 1948-50 wurden Fassade und Inneres massiv verändert.

Nach dem Fall der Mauer gründete sich bereits am 15. November 1990 der Verein Historisches Paretz e. V., der sich neben zahlreichen kulturellen Aktivitäten wie regelmäßigen Konzerten, Vorträgen vor allem für die Wiederherstellung des Dorfes Paretz als frühklassizistisches Gesamtkunstwerk einsetzte. Zusammen mit der SPSG veranstaltete der Verein zwischen 1991 und 1999 in drei Räumen des Schlosses zehn Ausstellungen. 1997 erwarb das Land Brandenburg das Schlossensemble und übergab es zunächst der Fachhochschule Potsdam, die es bis 1999 nutzte. Das Landesbauamt erhielt den Auftrag, die Fassaden und Raumstrukturen des Schlosses wiederherzustellen. Die Bauarbeiten begannen
im Mai 1999, das Land stellte dafür Mittel in Höhe von 3,5 Millionen Euro (7 Millionen DM) zur Verfügung. Wichtiger Anstoß dafür war die Restaurierung der Tapeten, wofür die Cornelsen Kulturstiftung 850.000 Euro (1,7 Millionen DM) zur Verfügung stellte. Die Arbeiten wurden Ende September 2001 abgeschlossen. Seit dem 1. Januar 2002 betreibt die SPSG das Schlossmuseum Paretz. Seit April 2015 ist die Dauerausstellung im Schloss inhaltlich und gestalterisch überarbeitet und thematisch erweitert: Geschichte und Nutzung des Schloss- und Dorfensembles sowie dessen Einordnung in die allgemeinen Zeitläufe werden präsentiert. Zudem werden hier Teile der erhaltenen Ausstattung aus dem verlorenen Potsdamer Brauhausberg-Belvedere gezeigt.
In festlicher Atmosphäre wird am 2. Oktober 2021 die Wiederstellung des Schlosses Paretz vor 20 Jahren gefeiert. Seither wurde das Haus von 366.681 Gästen besucht.

Nachdem die Sanierung und Restaurierung des Schlosses 2001 beendet war, folgten in den Jahren darauf die Eröffnung der Schlossremise, des Saalgebäudes und – ganz aktuell – die Rekonstruktion des Grottenberges.
Schloss und Park werden stimmungsvoll illuminiert, der wiederhergestellte Grottenberg wird zum Flanieren einladen, Künstlerinnen und Künstler versprechen Unterhaltung und Genuss und ein Programm für Kinder wird diesen Abend zu einem Erlebnis für die ganze Familie machen.

Denkmalpflege und Restaurierung

Die Prunkräume im Neuen Palais

Das Neue Palais beeindruckt durch seine künstlerisch in hoher Qualität ausgestatteten Räume und Säle. Nach der Restaurierung des Marmorfußbodens im Marmorsaal und der Decke im Grottensaal folgt nun die Restaurierung weiterer Räume. Im Oberen Fürstenquartier geht es z. B. um den Erhalt der Stuckornamentik mit ihrer versilberten Oberfläche. Im Herrenschlafzimmer sind die Maßnahmen an der Decke bereits abgeschlossen. Hier stehen 2021 die Raumwände mit ihren Seidenbespannungen und vergoldeten Zierleisten im Fokus, bevor 2022 das ebenfalls restaurierte Baldachinbett im Alkoven aufgestellt werden kann. Im Oberen Vestibül wird für das Deckengemälde das Restaurierungskonzept mit den erforderlichen Untersuchungen und der Erprobung von einzelnen Maßnahmen in Testbereichen erstellt und damit eine umfassende Restaurierung vorbereitet.

Das Stibadium im Garten der Villa Liegnitz

Lange Zeit durch ein Schutzgerüst allen Blicken verborgen, wird 2021 diese kleine Gartenarchitektur restauriert und wieder sichtbar werden. Die Oberflächen zeigen eine wunderbare, zu großen Teilen noch erhaltene farbige Gestaltung und ein Wandbild im Inneren. Die beiden tragenden Figuren (Karyatiden) aus Zinkguss konnten bereits restauriert und 2020 im Zuge der Dachsanierung wieder eingebaut werden. Die Restaurierung wird durch eine großzügige Spende der Cornelsen Kulturstiftung gefördert.

Europäischer Tag der Restaurierung

20 Jahre Schloss Paretz
10. Oktober 2021
Schloss Paretz, Parkring 1, 14669 Paretz / Ketzin

Europaweit ermöglichen Restauratorinnen und Restauratoren an diesem Tag, der erstmals 2018 veranstaltet wurde, Einblicke in ihre Ateliers. Besucherinnen und Besucher sind dazu eingeladen, Kunstwerke aus unmittelbarer Nähe zu betrachten. 2020 in vielen Online-Formaten präsentiert, freuen sich die Restauratorinnen und Restauratoren der SPSG 2021 wieder auf den direkten Kontakt mit dem Publikum. Sie werden im Schloss Paretz Themen ihrer Arbeit vorstellen und damit zugleich an die Wiedereröffnung des Hauses als Museumsschloss vor 20 Jahren erinnern. Es wird ebenso um die original erhaltenen Tapeten wie um die technisch-künstlerische Ausstattung von Kutschen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie umd die Wiederherstellung des Grottenberges im Park gehen.

Im Schloss

Kulturstiftung der Länder und Käthe-Kollwitz-Museum ziehen in den Theaterbau des Schlosses Charlottenburg

Die Kulturstiftung der Länder wird 2022 in den repräsentativen Theaterbau des Schlosses Charlottenburg in Berlin ziehen. Ein entsprechender Mietvertrag wurde von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) zum 1. Juli 2022 abgeschlossen. Vertragspartner ist das Land Berlin, vertreten durch die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH als Generalmieterin, die das Recht zur Untervermietung an die Kulturstiftung der Länder hat. Diese wird ab Sommer 2022 vor allem die Räume im zweiten Obergeschoss des dreigeschossigen frühklassizistischen Gebäudes übernehmen, das nach Plänen von Carl Gotthard Langhans (1732-1808), dem Architekten des Brandenburger Tores, errichtet wurde. Nach dem Käthe-Kollwitz-Museum, das ebenfalls von 2022 an Flächen im Erd- und ersten Obergeschoss nutzen wird, hat die SPSG mit der Kulturstiftung der Länder erneut eine Institution von bundesweiter Bedeutung für diesen Standort gewinnen können.

Schauplätze der Geschichte

Unter dem Titel „Schauplätze der Geschichte“ hat die SPSG 2020 damit begonnen, weitere Facetten der Geschichtsvermittlung anzubieten. In Form einer Intervention werden künftig historische Ereignisse in den Schlössern vorgestellt, die bisher in den Dauerausstellungen nicht thematisiert werden konnten. Das Projekt wurde durch die großzügige Unterstützung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e. V. ermöglicht.

Als Objektträger für die Intervention dient der Ghost Chair. Der extravagante Klassiker des 1949 in Paris geborenen französischen Designers Philippe Starck, besteht aus Polycarbonat, ist leicht transportabel und transparent. Diese Eigenschaften waren für die Auswahl des
Objektträgers entscheidend, da auf diese Weise historische Raumeindrücke nicht beeinträchtigt werden. Der Titel „Schauplätze der Geschichte“ kann zudem in doppeltem Sinn verstanden werden: Besucherinnen und Besucher können auf dem Ghost Chair Platz nehmen.

Die Rückenlehne des Ghost Chair wird als Präsentationsfläche genutzt. Hier werden die Jahreszahl sowie eine Kurzbeschreibung des historischen Ereignisses präsentiert, die das Interesse für das Thema wecken sollen. Der Ghost Chair wird immer in dem Schlossraum aufgestellt, in dem das historische Ereignis stattfand. Mit Hilfe eines QR-Codes gelangen die
Besucherinnen und Besucher auf die Website https://www.spsg.de/schauplaetze-der-geschichte, hier werden ausführliche Informationen und eine Bildergalerie angeboten.

Die Website ist das verbindende Element zu den anderen Stationen der Intervention. 2020 waren dies im Potsdamer Neuen Palais „Kotau vor dem Deutschen Kaiser“, im Berliner Schloss Charlottenburg „Abgeschirmt – Empfang des iranischen Schah“ sowie im Berliner
Schloss Schönhausen „Der letzte Staatsgast im Schloss“. 2021 folgen im Berliner Jagdschloss Grunewald „Ankunft und Reparatur der aus Paris zurückgeholten Quadriga mit Umdekorierung
des Siegeszeichens, 1814“, im Schloss Oranienburg „Das Dreikönigstreffen, 1709“, im Potsdamer Neuen Palais „Sitzungen des Staatsrates ab 1933“ sowie in den Neuen Kammern im Park Sanssouci „Graffiti in der Blauen Galerie, 1945“. Bis 2022 sollen zunächst zwölf „Schauplätze der Geschichte“ in den preußischen Schlössern in Potsdam, Berlin und Brandenburg entstehen.

Im Garten

Mehr Pflege

Der Bund sowie die Länder Brandenburg und Berlin haben als Zuwendungsgeber der SPSG am 11. Juni 2020 die für den Abbau des Pflegedefizits in den Gärten erforderlichen Mittel bewilligt. Bereits im Jahr 2020 standen dafür mehr als 2 Millionen Euro vom Bund und vom Land Brandenburg sowie seit 2014 zusätzlich 1 Million Euro durch die Förderung der Landeshauptstadt Potsdam (u. a. für 16 Stellen für Gärtnerinnen und Gärtner) bereit. Das Land
Berlin wird sich von 2021 an beteiligen und damit die dauerhafte Finanzierung – etwa von weiteren 22,7 Stellen für Gärtnerinnen und Gärtner – ermöglichen. Außerdem stehen jährlich zusätzliche finanzielle Mittel für Instandsetzungen bereit.

Eine zentrale Aufagabe in allen Park- und Gartenanlagen der SPSG ist z. B. die Erhaltung bzw. Sanierung von ca. 65 Hektar Wegefläche. Wetterextreme (Starkregen, Stürme etc.) wirken sich auf deren Zustand ebenso aus wie verändertes Nutzungsverhalten oder der Verzicht auf Glyphosat bei der Wegepflege. Deshalb soll innerhalb des neuen Forschungsprojekts „Kulturgüter vor Extremklimaereignissen schützen und Resilienz erhöhen (KERES)“ zugleich nach Anpassungsstrategien gesucht werden. Das betrifft nicht nur die im Jahr 2021 anstehenden Instandsetzungen (zum Beispiel: Stellweg auf der Pfaueninsel oder Wege im westlichen Lustgarten Sanssouci), sondern insbesondere Parkwege in Hangneigung (u. a. angepasstes Deckschichtmaterial, Entwässerungen in den Park etc.).

Herausforderung Klimawandel

Nach den drei Dürrejahren 2018, 2019, 2020 bleiben die Auswirkungen des Klimawandels die wohl größte Herausforderung. In enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Klima, Umwelt und Grünflächen der Landeshauptstadt Potsdam werden schrittweise Anpassungsstrategien umgesetzt.

Gehölzentwicklung: Der Bestand von mehr als 75.000 Altbäumen in den Parks und Gärten der SPSG ist aufgrund der veränderten Umweltbedingungen (nachweislich verstärkte Unwetter-Ereignisse mit Starkregen, längere Hintze- und Trockenperioden) erheblich geschwächt. Für die Baumpflegearbeiten (Totholzbeseitigungen, Baumkronenreduzierungen und Baumfällungen, Freihalten von Sichten) müssen aktuell und künftig intensivere Baumerhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Die „Regeneration des Gehölzbestandes auf dem Ruinenberg von Park Sanssouci“ ist ein Bespiel. Aufgrund längerer Trocken- und Hitzephasen ist der Baumbestand auf dem Ruinenberg durch Wipfeldürre und Totholz stark geschädigt. Hier werden deshalb auf sechs temporär eingefriedeten Flächen auf der Kuppe des Berges unterschiedliche Methoden der Erneuerung des Gehölzbestandes erprobt: Aussaat von Eicheln vitaler Exemplare, Belassen und Steuern der resilienten Naturverjüngung und Pflanzung von Sämlingen wiederstandsfähiger und trockenheitsverträglicher Eichenarten und Hainbuchen. Das Nachpflanzen von Bäumen und Gehölzen geht einher mit Optimierungen der Wasserversorgung sowie der Verwendung von Kultursubstraten.

Kampfmittelbeseitigung im Park Babelsberg

Nachdem die Kampfmittelsondierung und -beseitigung im Park Babelsberg 2020 coronabedingt ausgesetzt werden musste, wird die Kampagne nach Aufhebung der Einschränkungen 2021 wieder aufgenommen. Ziel ist die Kampfmittelfreiheit des Parks, die eine dringend notwendige Voraussetzung für die Parkpflege ist.

Ufermauer im Lustgarten Rheinsberg

Im Jahr 2021 wird die Sanierung der bogenförmigen Ufermauer aus Feldsteinen im Lustgarten Rheinsberg durchgeführt. Die Mauer weist starke Schäden und Fehlstellen auf, weshalb die Sperrung des angrenzenden Uferweges drohte. Nun wird das Bauwerk neu aufgesetzt und nachhaltig gesichert. Anschließend wird der Uferweg instand gesetzt.

Gewässersanierung im Schlossgarten Charlottenburg

50Hertz ist der Übertragungsnetzbetreiber im Nordosten Deutschlands und realisiert Höchststrominfrastrukturen für eine erfolgreiche Energiewende. Bei den damit verbundenen ökologischen Kompensationsmaßnahmen ist 50Hertz immer bestrebt, mit lokalen und regionalen Akteuren zu kooperieren. Daher ging das Unternehmen bereits 2017 im Rahmen der Ertüchtigung der 380-kV-Kabeldiagonale Berlin auf die SPSG zu, um gemeinsam mit den Behörden geeignete Kompensationsmaßnahmen zu entwickeln.

Im Ergebnis dieser Kooperation werden nun Teile der dringend notwendigen Gewässersanierung im Schlossgarten Charlottenburg ab 2021 realisiert. Dazu gehören u. a. die Sauerstoffanreicherung und damit verbunden der Abbau von Biomasse im Gewässersystem, Schaffung von Brutplätzen für den Eisvogel und Habitataufwertungen. „Wir freuen uns, den Schlossgarten Charlottenburg dabei unterstützen zu können, auch in Zukunft ein Gartendenkmal und Ort biologischer Vielfalt zu sein. Damit trägt dieser wunderbare grüne Fleck auch zu Lebensqualität und Artenschutz in der Stadt bei“, so Nadja Ballauf, Leiterin Naturschutz und Genehmigungen bei 50Hertz. Kontakt und weitere Informationen: Britta Petersen, Britta.Petersen(at)50hertz.com, Tel.: +49 (0)30.5150 3420).

Instandsetzung des Wasservogelteichs auf der Pfaueninsel

Ebenfalls in Kooperation mit 50Hertz wir 2021 der Wasservorgelteich auf der Pfaueninsel instand gesetzt, der um 1824 in der Mitte der Pfaueninsel zusammen mit einer Tier-Menagerie angelegt worden ist. Von einer zeitgleich am Havelufer errichteten Dampfmaschine wurde Wasser über einen Römischen Brunnen in einen Hochbehälter gepumpt. Von dort lief es zu einer künstlichen Quelle, die über einen „Gebirgsbach mit Wasserfall“ den Teich befüllte. Nach der letzten Instandsetzung 1984 ist der Wasservogelteich seit etwa 15 Jahren ausgetrocknet. 2021 wird die Teichsohle mit einer neuen Tonschicht abgedichtet und mit einer einer mineralischen Schutzschicht überdeckt.

Das Besondere ist die Komposition der Wasserelemente. Das Havelwasser aus dem Römischen Brunnen strömt durch eine Röhrenleitung, tritt aus einer verdeckten Quelle aus und fällt über einen mit Findlingssteinen drapierten Bachlauf und einen ca. 2 Meter hohen Wasserfall in den 80 Zentimeter tiefen Wasservogelteich. Eine natürliche wirkende Szenerie, die durch die Geräusche des bewegten Wassers und die spiegelnde Wasserfläche eine größere Landschaft assoziiert als real vorhanden ist.

Der Wasservogelteich liegt etwa zwei Meter tiefer als seine südwestliche Umgebung und leitet in eine lange Wiese Richtung Schloss über. Seine Grundform entspricht etwa einem Trapez mit geschwungenen Uferlinien und gerundeten Ecken. Von einem um den Teich führenden
schmalen Fußweg, der zur Felsenquelle ansteigt und wieder herunterführt, wird der Blick über die ausgebuchteten Ecken geführt und die Wasserfläche damit optisch verlängert. Für die Bilderwelt der Pfaueninsel ist der Wasservogelteich eine wichtige Gestaltungskomponente.

Abschließende Wiederherstellung der Gartenumgebung am Grottenberg in Paretz

Nach der Rekonstruktion der Ruine, der Brücke und der Grotte am Grottenberg in Paretz wurde Ende 2020 auch die umgebende Gartengestaltung inklusive Geländemodellierung, Wegenetz sowie Gehölzpflanzungen wiederhergestellt. In Abstimmung mit dem Wasser- und Bodenverband wurde sogar die historische teichartige Aufweitung des südlich vorbeiführenden Kettengrabens wiedergewonnen, wo jahrzehntelang Müll und Gartenabfälle abgelagert worden waren. Um die Anwachspflege der vielen Bäume und Sträucher zu gewährleisten, werden 2021 ein schon vorhandener Grundwasserbrunnen reaktiviert und Wasserleitungen samt Zapfstellen verlegt.

Wissenschaft und Forschung

Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten

Die öffentliche Debatte über die Folgen des Kolonialismus wirkt sich auf viele Bereiche des gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Lebens und damit auch auf die Arbeit in musealen Einrichtungen aus. Es geht dabei nicht nur um den Umgang mit Objekten aus kolonialen Kontexten, vielmehr sind Museen weltweit, vor allem aber in Europa dazu aufgefordert, die Begriffe, die in Präsentationen, Publikationen und anderen Zusammenhängen verwendet werden, kritisch zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) stellt sich dieser Aufgabe. Zwar hat sie nach aktuellen Erkenntnissen keine Objekte in ihren Beständen, die auf kolonial bedingte Erwerbungen zurückgehen, gleichwohl soll das Thema transparent kommuniziert und eine klare Haltung dazu entwickelt werden. Auch ist in jedem konkreten Fall kritisch darüber zu befinden, ob die Titel der in unseren Schlössern und Gärten präsentierten Kunstwerke und Sammlungsobjekte den tatsächlichen historischen Gegebenheiten der abgebildeten Motive entsprechen und entweder zu ändern sind oder mit ihrem historischen Hintergrund erläutert werden müssen.

Grundlage für die Arbeit ist eine Liste der Objekte aus kolonialen Kontexten. Dabei kann es sich beispielsweise um Objekte handeln, deren überlieferte Titel auf einen zugrundeliegenden Eurozentrismus hinweisen, im Zusammenhang mit dem Versklavungshandel stehen oder ganz einfach rassistische Denkmuster offenbaren. Eine der ersten Maßnahmen wird z. B. die Rückbenennung des seit Mitte des 20. Jahrhunderts als „Mohrenrondell“ bezeichneten Skulpturenensembles im Park Sanssouci sein. Ab Saisonbeginn 2021 erhält es den Namen „Erstes Rondell“ zurück, der schon im 19. Jahrhundert in alten Reiseführern Verwendung fand. Vor Ort wird ein neues Informationsschild aufgestellt und parallel dazu ein vertiefender Text für die Webseite der SPSG erarbeitet.
Das Erklären und Vermitteln kolonialer Bezüge ist eine außerordentliche Herausforderung. Um die dafür notwendigen Prozesse zu steuern, hat sich in der SPSG eine Steuerungsgruppe Koloniale Kontexte konstituiert. Das Spektrum ihrer abteilungsübergreifenden Tätigkeit reicht dabei von der der Entwicklung wissenschaftlich fundierter Grundlagentexte über die Anfertigung und Aufstellung erläuternder Schilder oder Raum- und Objekttexte bis hin zu Änderungen von Begriffen in unseren Informationssystemen, Publikationen und Datenbanken. Dabei wird auch der Kontakt, der partizipatorische Austausch und ein Raum zur Darstellung unterschiedlicher Perspektiven mit Betroffenengruppen gesucht.

Erweiterung des Themenportals „Brandenburgisches Glas“

Das gemeinsame Digitalisierungsprojekt der SPSG und des Potsdam Museums – Forum für Kunst und Geschichte (PM) wird auch 2021 weiterwachsen. Insgesamt 200 historische Glasobjekte aus den Beständen der beiden Projektträger sowie aus vier Partnermuseen werden in das Themenportal „Brandenburgisches Glas. Produktionsvielfalt vom 16. bis 18. Jahrhundert“ auf www.museum-digital.de eingestellt (https://themator.museum-digital.de/ausgabe/showthema.php?m_tid=690&tid=690).

Erfreulicherweise haben sich die Museen in Angermünde und Perleberg zu einer Kooperation bereit erklärt. Darüber hinaus werden die gläsernen Bodenfunde aus dem Gotischen Haus in Brandenburg an der Havel aufgenommen, die sich derzeit in der Obhut des Stadtmuseums Brandenburg an der Havel befinden. Überdies beginnt die Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM), das mit seinen riesigen Beständen sowohl das 16. bis 18. Jahrhundert, als auch die Epoche des Mittelalters anschaulich abbilden kann. Im Raum steht die Hoffnung, weitaus frühere Belege für die Herstellung von Glas in Brandenburg zu finden, als bislang in Forschung und Literatur überliefert ist. Erneut werden zudem Konvolute aus den Beständen der beiden Projektkoordinatoren Potsdam Museum und SPSG in das Themenportal einfließen. Nahezu alle neu erfassten Objekte werden erstmalig wissenschaftlich untersucht und digitalisiert.

Die Mehrzahl der Neuzugänge wird zum ersten Mal veröffentlicht. Neben Fotografien aus mehreren Ansichten, erhält jedes Glasobjekt einen ausführlichen beschreibenden Text, der es klassifiziert und kontextualisiert. In übersichtliche Unterthemen gegliedert erweitern sie unser noch immer fragmentarisches Wissen über diese wichtigen Quellen brandenburgischer Kulturgeschichte. Zahlreiche Anfragen oder Hinweise von Fachkolleginnen und -kollegen sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern belegen die starke Resonanz. Das Projekt lädt zum Austausch ein. Es trägt langfristig zur Sicherung des kulturellen Erbes und zur Stärkung der regionalen Identität bei.

Die Erweiterung des Themenportals wird durch eine Finanzierung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK) ermöglicht; SPSG und das Potsdam Museum beteiligen sich finanziell.

Auswertung des Forschungsprojekts „Historische Gärten und Gesellschaft. Kultur –Natur Verantwortung“

Die SPSG richtete am 15. und 16. Oktober 2020 das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte internationale Forschungsprojekt „Historische Gärten und Gesellschaft. Kultur – Natur – Verantwortung“ in Kooperation mit dem Insitut für transformative Nachhaltigkeitsforschung Potsdam (IASS) aus. Die Aufzeichnungen der Diskussionen können unter: https://www.spsg.de/forschung-sammlungen/forschung/historische-gaerten-und-gesellschaft/#c14557 abgerufen werden.

Als Abschluss des Forschungsprojektes werden bis zum Sommer 2021 Ergebnisse der digitalen Konferenz ausgewertet. Immer wichtiger wird z. B., Schülerinnen und Schüler sowie Studierende in die Auseinandersetzung über Fragen der Gartenkultur und Umwelt einzubeziehen. Deshalb hat die SPSG mit „Grüne Zukunft pflanzen“ und dem von der Katjes Fassin GmbH geförderten „Grünen Klassenzimmer“ („Our Green History, our Green future“) im Park Babelsberg entsprechende Dialogformate in Kooperation mit Schulen und Kitas aufgelegt und mit den digitalen Angeboten unter www.spsg.de/ParkIsArt flankiert.

Forschungsprojekt „Kulturgüter vor Extremklimaereignissen schützen und Resilienz erhöhen (KERES)“

Um mit den Auswirkungen des Klimawandels angemessen umgehen zu können werden bis Ende 2023 mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) am Beispiel der Park- und Gartenanlagen der SPSG Strategien zur Prävention und zum Schutz unwiederbringlicher Kulturgüter entwickelt. Unter der Federführung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (FhG), dem Climate Service Center Germany (HZG-GERICS) und der SPSG sind weitere Verbundpartner einbezogen (https://www.imw.fraunhofer.de/de/presse/pressemitteilungen/keres.html).

Es werden Handlungsempfehlungen zur Erhöhung der Resilienz sowie Vernetzungskonzepte mit internationalen Partnern erarbeitet. So sollen die Standsicherheit (Vitalität), Astbruchgefährdung (Totäste) von Bäumen oder Gefährdungspotentiale von Parkwegen (Verkehrssicherung) betrachtet werden.

Projekte des Research Center Sanssouci (RECS)

Online-Edition von ca. 1200 Belegen zur Schatulle der Königin Sophie Dorothea

Das 2020 begonnene Projekt sieht die Transkription und digitale Aufbereitung von ca. 1200 Belegen zur Schatulle der preußischen Königin Sophie Dorothea (1687-1757) aus dem Nachlass Walter Stengels (1882-1960) im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin und im Archiv der Stiftung Stadtmuseum Berlin vor. Der Kunsthistoriker Walter Stengel war von 1925 bis 1952 Direktor des Märkischen Museums in Berlin.