Elfenbeinmöbel im Schlossmuseum Oranienburg

06.07.2018

Kostbar und rar

Wiederentdeckt: zwei Leuchtertische aus Elfenbein. Foto: SPSG

Eine brasilianische Möbelgarnitur aus Elfenbein wird im Schlossmuseum Oranienburg präsentiert

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat Teile der seit 70 Jahren als vermisst geltenden Garnitur von Elfenbeinmöbeln zurückerhalten, die im Schlossmuseum Arnstadt in Thüringen aufgefunden worden waren. Ein Spiegel, zwei Guéridons (Beistell-, Leuchtertische) und ein Tisch – letzterer derzeit noch unrestauriert, zerlegt und ohne Platte – aus der Kunstkammer des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) werden nun erstmals im Schlossmuseum Oranienburg zu sehen sein. Noch erhaltene Teile derselben Garnitur sind schon seit längerem im Museum ausgestellt.

Geschichte der Möbelgruppe

Die Möbelgruppe ist in Brasilien um 1640 auf Bestellung von Johann Moritz von Nassau-Siegen (1604-1679) entstanden und war ursprünglich Teil einer kompletten Raumausstattung. Er verkaufte sie 1652 an den Großen Kurfürsten, der sie im Berliner Schloss aufstellte, bevor die „kostlichen und sonderlich rare meublen von gantz Elfenbeinen“ 1689 an die Kunstkammer abgegeben wurden. Schließlich brachte man die Garnitur in das Hohenzollernmuseum im Berliner Schloss Monbijou, von wo sie während des Zweiten Weltkriegs in das thüringische Schloss Molsdorf verlagert wurde. Noch zu DDR-Zeiten wurden Sitzbank, Faltstuhl und Hocker nach Potsdam-Sanssouci gebracht und 1979 in Amsterdam restauriert. Seit 1999 sind sie im Schlossmuseum Oranienburg zu sehen.

Die drei Sitzmöbel, der Tisch, die Guéridons und der Spiegel aus massivem, teils furniertem afrikanischen Elfenbein sind die letzten erhaltenen Teile einer umfangreichen Garnitur, die einen Tisch, eine Bank, jeweils zwei Armlehnstühle und zwei Hocker, zwei Spiegelrahmen, zwei Guéridons, einen Kronleuchter, ein Kabinettschränkchen und einen Mörser mit Stampfer umfasste. Sie gehören nicht nur zu den wenigen aus dem Besitz des Großen Kurfürsten überlieferten Möbeln des 17. Jahrhunderts, sondern sie sind auch die einzigen bekannten Möbelstücke aus Niederländisch-Brasilien. Der Text des Kaufvertrags vom September 1652 macht deutlich, dass es sich nicht nur um eine Möbelgruppe handelte, sondern um die komplette Ausstattung eines Zimmers.

Technische Angaben:
Spiegel, zwei Leuchtertische und ein Tisch (zerlegt), afrikanisches Elfenbein massiv und auf Holzkern; entstanden in Mauritsstad/Recife, Niederländisch-Brasilien, datiert 1639 und 1640, SPSG, HM 2703-2705.

Gouverneur in Brasilien
Johann Moritz von Nassau-Siegen (1604-1679) war 1636 zum General-Gouverneur der Besitzungen der Niederländischen Westindien-Kompanie in Brasilien ernannt worden. Das Elfenbein für die Möbel ließ er von der afrikanischen Westküste importieren, wo ein niederländischer Stützpunkt lag. 1647 in die Dienste Kurbrandenburgs getreten, fungierte er als Statthalter für das Herzogtum Kleve und die Grafschaften Mark und Ravensberg. Kleve, Sitz des Statthalters und Residenz des Kurfürsten, machte er zum Zentrum einer großräumigen Gartenlandschaft und eines Wegesystems, deren Weite und Vielgestaltigkeit zum Vorbild für die kurfürstlichen Planungen in Berlin und Potsdam werden sollten.

Kontakt

Frank Kallensee SPSG | Generaldirektion Pressesprecher
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam
Fax: 0331.96 94-102

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