SPSG-Bilanz 2015

25.02.2016

SPSG blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück


Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan)

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) blickt auf ein erfolgreiches Arbeitsjahr 2015 zurück, das vor allem im Zeichen der Fortführung des Masterplans stand. Mit diesem Sonderinvestitionsprogramm retten der Bund (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Berlin (Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten) und Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) bedeutende Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall. Das Abkommen sieht vor, dass die SPSG bis 2017 insgesamt 155,03 Millionen Euro in die Wiederherstellung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren kann. Der Bund trägt 77,5 Millionen Euro (50 Prozent) bei, das Land Brandenburg 53 Millionen Euro (2/3 von 50 Prozent) und das Land Berlin 24,53 Millionen Euro (1/3 von 50 Prozent).

Seit 2008 hat die SPSG ca. 114 Millionen Euro verausgabt, das entspricht 69,0 Prozent der Gesamtsumme von ca. 165 Millionen Euro (inkl. Sondermittel). Allein 2015 konnten insgesamt ca. 28 Millionen Euro (inkl. Bundesmittel aus dem Energieeinsparprogramm und EFRE-Mittel) umgesetzt werden. So wurde im März 2015 die Sanierung des Marktflügels des Kavalierhauses in Rheinsberg abgeschlossen und das Gebäude der Musikakademie Rheinsberg zur Nutzung übergeben. Ebenfalls im März 2015 konnte die Straße „An der Orangerie“ in Potsdam fertig gestellt werden, die auf das Höhenniveau der angrenzenden Gebäude Besucherzentrum, Remisenhof und zukünftiges Schweizerhaus abgesenkt wurde. Damit entstand eine große, einladende Platzfläche, die seither Zentrum des neuen Ankunftsbereichs am Schloss Sanssouci ist. Im Oktober 2015 wurde die im Frühjahr 2013 begonnene – Dach und Fassade umfassende – Hüllensanierung des Schlosses Babelsberg frist- und kostengerecht beendet. Ein Höhepunkt für die SPSG war im Juli 2015 die Wiedereröffnung des Grottensaals im Neuen Palais nach Abschluss der aufwendigen statischen Ertüchtigung und Restaurierung der Decke.

Die für 2016 im Rahmen des Masterplans geplanten Maßnahmen entnehmen Sie bitte der gesonderten Presse-Information „SPSG Masterplanprojekte 2016“.

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Ausstellungen

Auch die Ausstellungen der SPSG erwiesen sich 2015 wieder als Publikumsmagnete. Eine große kulturhistorische Sonderausstellung „FRAUENSACHE. Wie Brandenburg Preußen wurde“ fand im Theaterbau des Schlosses Charlottenburg in Berlin statt. Anlass war die Belehnung der Hohenzollern mit der Mark Brandenburg vor 600 Jahren. Die Hohenzollern sollten dann bis 1918 die Geschicke des Kurfürstentums Brandenburg, des Königreichs Preußen und zuletzt des Deutschen Kaiserreichs bestimmen. Die im August 2015 eröffnete Ausstellung rückte erstmals die Gesamtleistung der Hohenzollern-Frauen für die Geschichte Brandenburg-Preußens in den Mittelpunkt. Mit dem Fokus auf die weiblichen Mitglieder der Dynastie wurde die Perspektive gewechselt und jene Persönlichkeiten vorgestellt, deren Bedeutung für das kulturelle und politische Werden des Staates in der Geschichtsschreibung lange unterschätzt worden war.

Zu den erlesenen Objekten, die in der FRAUENSACHE-Schau zu sehen waren, zählten auch Werke aus der weltweit bedeutenden Cranach-Sammlung im Jagdschloss Grunewald in Berlin. Die so im Jagdschloss entstandenen „Leerstellen“ boten in Kooperation mit der Berliner Galerie EIGEN + ART Gelegenheit für ein Experiment: Für die Ausstellung „Zeitgenössische Kunst trifft auf Alte Meister“, die gleichfalls seit August 2015 für den Publikumsverkehr geöffnet war, schuf die Amerikanerin Melora Kuhn Gemälde, die sich auf die Cranach-Bilder im Schloss bezogen. Die Berliner Bildhauerin Stella Hamberg zeigte zwei ihrer überlebensgroßen „Berserker“-Bronzeskulpturen auf der Seeterrasse.

Unter dem Motto „Schloss Paretz neu entdecken!“ wurde im April 2015 die neue Dauerausstellung in Paretz eröffnet. Die inhaltlich und gestalterisch überarbeitete sowie thematisch erweiterte Präsentation widmet sich seither Fragen der Geschichte und Nutzung des Schlosses, dessen Entstehung in die Zeit eines nachhaltigen Wandels in Lebensstil, Naturwahrnehmung und der künstlerischen Ausdrucksformen fiel. Das mit hohem ästhetischen Anspruch ausgeführte Schloss- und Dorfensemble Paretz wird als Musterbeispiel der preußischen Landbaukunst um 1800 vorgestellt.

Anlässlich des 25. Jubiläums der Eintragung der „Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin“ in die Liste des UNESCO-Welterbes war seit Mai 2015 die Ausstellung „Der Blick in die Gärten des Welterbes – Fotografien von Hillert Ibbeken“ in den Römischen Bädern im Park Sanssouci zu sehen. Die Aufnahmen des Berliner Geologen und Fotografen zeigten das einzigartige Zusammen- und Wechselspiel von Kultur und Natur in den Parkanlagen der SPSG und dokumentierten zugleich die Wiederherstellungsleistung seit 1990. Aufgrund der großen Nachfrage wird die Ausstellung bis zum 31. Juli 2016 verlängert.

An den 300. Todestag des Lackkünstlers Gérard Dagly (1660-1715) erinnerte die SPSG im September 2015 mit der Präsentation „Gérard Dagly und die Berliner Hofwerkstatt“ im Schloss Charlottenburg. Dagly, der 1686 aus Belgien nach Berlin gekommen war, hatte kunstvolle Lackarbeiten u. a. für den Hof der Hohenzollern angefertigt. Zu seinen schönsten Arbeiten zählte die Bemalung des weißen Cembalos im Schloss Charlottenburg mit japanischen Palastszenen. Gezeigt wurden darüber hinaus zahlreiche Tische, Kabinettschränke, Spiegel und Guéridons (Beistelltische).

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Besucherstatistik

Mit insgesamt 1,8 Millionen Besuchen konnte die SPSG ihre Besuchszahlen gegenüber 2014 um 5,71% steigern. Der Zuwachs verdankt sich im Wesentlichen der Wiedereröffnung des Neuen Flügels in Charlottenburg sowie der Sonderausstellung FRAUENSACHE im Theaterbau Charlottenburg (Berlin gesamt +14,44%, + 78.978 Besuche).

Auch in Potsdam konnte ein Plus von 0,92% verzeichnet werden (+8.858 Besuche). Gleichwohl wirkten sich nach wie vor laufende Baumaßnahmen auf die Besuchsbilanz aus. So war im Orangerieschloss Sanssouci ein Rückgang von 19.473 Besuchen (-33,22%) festzustellen. Grund dafür war vor allem die sanierungsbedingte Schließung der Türme. Hingegen konnte durch großflächige Informationstransparente am Neuen Palais und am Schloss Cecilienhof, die auf die Öffnung trotz laufender Bautätigkeit hinwiesen, Verluste der ersten beiden Quartale aufgefangen werden. Beide Häuser schlossen das Jahr mit positiven Resultaten ab (Neues Palais: +10,39%; Cecilienhof: +4,9%). Durch die Ausstellung „Blicke ins Welterbe“ wurde auch in den Römischen Bädern ein gutes Ergebnis erzielt (+41,94%, +5.219 Besuche).

In den Märkischen Häusern konnten die Rückgänge insgesamt gestoppt werden (+4,38%). So ist z. B. das gute Ergebnis in Paretz (+27,81%, +2.244 Besuche) auf die neu eingerichtete Dauerausstellung zurückzuführen. In Königs Wusterhausen lockte das Schlossfest Anfang September 2.012 Besucher und ermöglichte eine Steigerung von 19,75% (+1.940 Besuche). Durch die Umstellung auf geführte Besucherrundgänge gingen indes die Zahlen in Caputh zurück (-19,47%, -3.189 Besuche).

In den Märkischen Schlössern führte die SPSG aufgrund der rückläufigen Besuchszahlen 2014 von April bis Dezember 2015 eine Besucherbefragung durch, mit der Herkunft und Informationswege erfasst wurden. Im Zuge der Auswertung erwartet die SPSG Anhaltspunkte für standortspezifische Maßnahmen.

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Wissenschaft und Forschung

Im Sommer 2015 startete das Forschungsprojekt „Zukunftsweisender Umgang mit der Gehölzvegetation historischer Gärten in Zeiten des Klimawandels“ unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Kühn von der TU Berlin. Die in den Anlagen der SPSG stattfindenden Untersuchungen analysieren die Auswirkungen des Klimawandels auf Alt- sowie Jungbäume und werden 2016 fortgesetzt. Das Vorhaben wird über eine Laufzeit von drei Jahren durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Im Jahr 2020 feiert die Staatskapelle Berlin ihr 450-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wird in Kooperation mit der SPSG durch eine Reihe jährlich stattfindender wissenschaftlicher Konferenzen unter dem Titel „Symposion – 450 Jahre Staatskapelle Berlin“ vorbereitet. Die erste Tagung beschäftigte sich im Oktober 2015 mit der „Entwicklung der Hofmusik von der kurfürstlichen Kapelle von Brandenburg zum Hoforchester des ersten Königs in Preußen“. Tagungsorte waren das Schloss Charlottenburg und das Schiller Theater. Die Vorträge und Ergebnisse der Konferenz werden bei perspektivia.net online zugänglich gemacht.

Am 2. Dezember 2015 unterzeichneten die SPSG und die Universität Potsdam die Kooperationsvereinbarung für das Research Center Sanssouci (RECS). Das RECS wird als gemeinsame Forschungseinrichtung künftig die Kompetenzen in Forschung und Lehre beider Institutionen vernetzen. Thematisiert werden sollen sowohl die historischen als auch die naturwissenschaftlichen Grundlagen der heutigen globalen Wissensgesellschaft. Zudem geht es um neue Impulse im Umgang mit dem brandenburgisch-preußischen Kulturerbe und mit der Geschichte der europäischen Aufklärung. Das RECS soll die Internationalisierung dieser Forschungsfelder, den Wissenstransfer und die Wissenschaftskommunikation befördern sowie die internationale Sichtbarkeit und Attraktivität des Wissenschafts- und Forschungsstandorts Brandenburg stärken.

Zu den ersten Projekten des RECS zählen wissenschaftliche Erschließungs- und Editionsprojekte wie die erste englischsprachige Studienausgabe der philosophischen Schriften Friedrichs des Großen (1712-1786), die im weltweit führenden Wissenschaftsverlag Princeton University Press erscheinen wird. Im Rahmen eines Promotionsvorhabens an der Universität Potsdam entsteht zudem eine kommentierte Online-Edition der Briefe Markgräfin
Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758), die sie während ihrer Reise nach Frankreich und Italien in den Jahren 1754 und 1755 geschrieben hat. Internationale Kooperationen in Forschung und Lehre werden durch die jährliche Ausschreibung von „RECS Voltaire Fellowships“ an exzellente internationale Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gestärkt, denen so die Möglichkeit geboten wird, in den hier vorhandenen Beständen, Bibliotheken und Archivalien zu forschen.

Bereits im September 2015 hatte das RECS gemeinsam mit der Universität Bonn im Berliner Schloss Schönhausen die Konferenz „Neubeginn und Tradition. Monarchisches Erbe in Politik und Staat der DDR und der Bundesrepublik Deutschland“ veranstaltet. Vor dem Hintergrund, das im demokratischen Deutschland mitten in der Hauptstadt Berlin ein neues Schloss gebaut wird, das kein Schloss mehr sein soll, sondern ein „Humboldt-Forum“ für außereuropäische museale Sammlungen und eine Bibliothek sowie eine Begegnungsstätte und ein Ort des Austauschs für die Menschen der ganzen Welt, wurde nach dem Umgang mit der repräsentativen symbolträchtigen monarchischen Form dieses Bauwerks gefragt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sowohl in der alten Bundesrepublik als auch in der DDR Schlösser zerstört und abgerissen. Gleichzeitig zogen jedoch die Präsidenten der neu gegründeten deutschen Staaten in Schlösser und residierten und repräsentierten dort wie einst die Könige und Kaiser. Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) bezog zwar zunächst die Villa Hammerschmidt in Bonn, 1959 aber auch Schloss Bellevue in Berlin. Staatspräsident Wilhelm Pieck (1876-1960) hatte seinen Sitz schon zehn Jahre zuvor in Schloss Schönhausen in Berlin-Pankow genommen. Aber aus welchen Gründen wählte man für die Präsentation und Repräsentation Schlösser? An welche monarchischen Traditionen wurde angeknüpft? Diese und weitere Fragen wurden im Rahmen der Konferenz in Vorträgen, Erlebnisberichten, Gesprächsrunden und Diskussionen erörtert. Deren Ergebnisse werden im Herbst 2016 bei perspectivia.net online frei zugänglich veröffentlicht.

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Kontakt

Frank Kallensee SPSG | Generaldirektion Pressesprecher
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam
Fax: 0331.96 94-102

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