Wiedereröffnung des Grottensaals im Neuen Palais

21.07.2015

Geheimnisvolles Funkeln

Der Grottensaal im Neuen Palais ist wieder für Besucher offen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat die im Mai 2013 begonnene Restaurierung der Decke des Grottensaals im Neuen Palais abgeschlossen. Damit ist einer der beiden zentralen Festsäle des Hauses vom 22. Juli 2015 an wieder in den Rundgang durch das Gästeschloss Friedrichs des Großen (1712–1786) integriert und für die Potsdamer und ihre Gäste zugänglich. Die Wiedereröffnung des Marmorsaals im Obergeschoss, dessen Sanierung ebenfalls 2013 begann, soll 2016 erfolgen.

Möglich geworden sind die umfassenden Instandsetzungsarbeiten im Grotten- und im Marmorsaal durch das Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten (Masterplan), das die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten) zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft aufgelegt haben.

Die Kosten für die Restaurierung der Decke des Grottensaals beliefen sich auf ca. 600.000 Euro. Die Gesamtkosten für die Sanierung von Grotten- und Marmorsaal sowie für die statische Ertüchtigung der dazwischen liegenden Holzbalkendecke werden mit 4,9 Millionen Euro veranschlagt.

Restaurierungsarbeiten im Grottensaal
Von der Decke winden sich Drachen und andere Fabelwesen zwischen Pflanzenmotiven. Muschelnester zieren Wandnischen und auf dem Deckengemälde vergnügen sich „Venus und Amor, die drei Grazien und Putten“ in leuchtend hellen Farben. Nachdem im Sommer 2014 die Sanierung der Holzbalkendecke zwischen dem oberen Marmorsaal und dem Grottensaal abgeschlossen werden konnte, ist nun auch die Restaurierung des Deckenbereichs im Grottensaal fertig gestellt. Das geheimnisvolle Glitzern und Funkeln, mit dem Friedrich der Große seine Besucher beeindrucken wollte, ist wieder zu sehen.

Spezialisten haben in den vergangenen Monaten auf einem Raum füllenden Gerüst knapp unter der teils gewölbten Decke gearbeitet. Zunächst wurden der Stuckmarmor und die Grottierungen restauriert. Mehr als 20.000 Konchylien (Schalen von Weichtieren wie Muscheln und Schnecken), grüne und blaue Hüttenschlacken, Quarzkristalle, andere Minerale und vielfarbige Glassteine mussten ebenso gereinigt und gefestigt werden wie die Glasperlenketten in den Seeschlangen oder das aus Metall gestaltete Pflanzendekor. Forscher des Potsdamer Instituts für Erd- und Umweltwissenschaften nahmen sich die Schmuckelemente mit zerstörungsfreien Untersuchungsmethoden vor. Sie analysierten schwer zu bestimmende Minerale und konnten z. B. Provenienzen von Bergkristall oder Blutlaugensalz nachweisen. Zudem bestätigten sich aus den Akten bekannte „Fälschungen“: Korallen an der Decke entpuppten sich als rot gefärbter Gips, und an den Wänden dienen rot gefärbte Buchenzweige als Korallenersatz.

Nach der Reinigung entschieden die Restauratoren über Ergänzungen, wobei vorrangig Materialien aus dem Depot Verwendung fanden. Es wurden ca. 1200 Applikationen neu gesetzt. Entweder handelte es sich um Nachkäufe aus Frankreich, Österreich und Deutschland oder sie entstammten dem Grottensaal bzw. waren schon vor Jahrzehnten für Wiederherstellungsarbeiten beschafft und in einer unter Kaiser Wilhelm II. (1859–1941) eingerichteten Gesteinskammer als „Vorrat“ gelagert worden. Tatsächlich gab es eindeutige Zuordnungen, so dass viele Objekte an ihre ursprünglichen Plätze zurückkehren konnten. Zudem entdeckten die Restauratoren, dass es sich bei einer vermeintlich unbekannten Muschel lediglich um Schalenteile einer als Meerohr bekannten Schnecken-Gattung handelte, die – in mehrere Stücke zerschnitten – für diverse Dekorationselemente verwendet wurden.

Im Fall des 1806 entstandenen Deckengemäldes „Venus und Amor, die drei Grazien und Putten“ von Johann Gottfried Niedlich (1766–1837) wurden Ausbesserungen aus der Nachkriegszeit, die gegenüber der historischen Gestaltung aus mehreren Bearbeitungsphasen qualitativ stark abfielen, entfernt. Vor allem die groben Kittungen, die Retuschen und die stark vergraute Oberfläche im Deckenbild des Hauptschiffes beeinträchtigten die ursprünglich beabsichtigte offene Gestaltung. Es mussten komplizierte, an den jeweiligen Untergrund angepasste Reinigungsverfahren entwickelt und ausgeführt werden – bis das Blau des Gemäldes die Grotte wieder zum Himmel öffnete.

Geschichte des Grottensaals
Der Grottensaal wurde im Auftrag König Friedrichs des Großen zwischen 1765 und 1769 von Johann Melchior Kambly (1718–1783) und Matthias Müller (von 1745 bis 1774 in Potsdam tätig) gestaltet. Die weltweit einmalige Raumgestaltung präsentiert ca. 24.000 Minerale, Gesteine, Erze, Edelsteine, Fossilien, Naturalien, Muscheln, Schnecken und Hüttenschlacken. Diese Zierelemente wurden von preußischen Königen und Prinzen gekauft, waren Geschenke oder Erinnerungsstücke. Auch deshalb bleibt die Erforschung der Wanddekorationen als Zeugnisse preußisch-europäischer Geschichte und der dynastischen Selbstdarstellung der Hohenzollern eine wichtige Aufgabe.

Auf Grund von Baufehlern waren bereits zu Lebzeiten Friedrich des Großen aufwändige Reparaturen in beiden Festsälen notwendig geworden. Denn anders als von seinen  Baumeistern empfohlen, hatte der König eine hölzerne Zwischendecke zwischen Marmor- und Grottensaal einziehen lassen, die sich direkt nach dem Einbau unter der Last des Marmorbodens im Marmorsaal zu senken begann. Die Deckenkonstruktion musste deshalb mehrfach verstärkt werden. Unter Kaiser Wilhelm II. wurden von 1885 bis 1897 die Dekorationen des Grottensaals unter Beibehaltung der originalen Strukturen erneuert. Nach 1945 sorgten schlechte klimatische Bedingungen und nichtmuseale Nutzungen für eine Verschlechterung des Zustands. Zuletzt war die Decke so stark geschädigt, dass ihre Tragfähigkeit nicht mehr ausreichend gegeben war. Daraus resultierten starke Beschädigungen am Fußboden des Marmorsaals und an der Stuckdecke des Grottensaals.

Geschichte des Neuen Palais
Das Neue Palais ist der größte Schlossbau im Potsdamer Park Sanssouci und gehört seit 25 Jahren zum UNESCO-Welterbe der „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“. Mit der vollständig erhaltenen originalen Substanz und Ausstattung zählt es überdies zu den kunst- und kulturgeschichtlich wertvollsten Schlossanlagen der Welt. Es ist eines der umfassendsten und zugleich auch authentischsten Beispiele für die dekorative Raumkunst im Zeitalter Friedrichs des Großen. Das Neue Palais wurde nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges von 1763 bis 1769 errichtet und sollte von der neuen Größe Preußens künden. Konzipiert war es als Sommerresidenz, die Friedrich mit Appartements für Verwandte und Gäste sowie einer Wohnung für sich selbst ausstattete.

Das Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan)
Mit dem Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan) retten der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg bedeutende Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall. Das Abkommen sieht vor, dass die SPSG bis 2017 insgesamt 155,03 Millionen Euro in die Wiederherstellung nationaler Kulturgüter zusätzlich investieren kann. Der Bund trägt 77,5 Millionen Euro (50 Prozent) bei, das Land Brandenburg 53 Millionen Euro (2/3 von 50 Prozent) und das Land Berlin 24,53 Millionen Euro (1/3 von 50 Prozent).

Für die Sanierung des Neuen Palais stehen in einem Zeitraum von zehn Jahren insgesamt ca. 26 Millionen Euro zur Verfügung.

Informationen:
Neues Palais
Am Neuen Palais
14469 Potsdam

Öffnungszeiten:
April bis Oktober
Montag: 10:00–18:00 Uhr
Dienstag: geschlossen
Mittwoch–Sonntag: 10:00–18:00 Uhr

November bis März
Montag:  10:00–17:00 Uhr
Dienstag: geschlossen
Mittwoch–Sonntag: 10:00–17:00 Uhr

Eintritt:
8 Euro / ermäßigt: 6 Euro

Weitere Informationen unter
www.spsg.de/schloesser-gaerten/neues-palais

Kontakt

Frank Kallensee SPSG | Generaldirektion Pressesprecher
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam
Fax: 0331.96 94-102

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