FRAUENSACHE: Eine Prinzessin in Uniform

06.07.2015

FRAUENSACHE: Eine Prinzessin in Uniform

Am 22. August 2015 eröffnet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im Schloss Charlottenburg (Theaterbau) in Berlin die Ausstellung „FRAUENSACHE. Wie Brandenburg Preußen wurde“, mit der sie an die vor 600 Jahren erfolgte Herrschaftsübernahme durch die Hohenzollern in Brandenburg erinnert. Im Mittelpunkt steht der Anteil der weiblichen Mitglieder der Dynastie in Kultur, Politik und Gesellschaft im Kurfürstentum, im preußischen Staat und im Kaiserreich.

Zu den Aufgaben der Prinzessinnen, Königinnen und Kaiserinnen gehörte auch, hohe militärische Posten zu bekleiden. In der Ausstellung wird dieser Aspekt unter anderem durch die Präsentation der aufwändig gefertigten Uniform von Victoria Luise (1892–1980), Tochter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und der Kaiserin Auguste Victoria, thematisiert.

Victoria Luise (ab 1913 Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg)

Victoria Luise war das jüngste Kind des Kaiserpaares, weshalb sie im besonderen Fokus der Öffentlichkeit stand. Sie wuchs mit sechs Brüdern auf; nach eigener Aussage war ihr „größter Kummer, dass [sie] kein Junge war“. Ihr ältester Bruder Kronprinz Wilhelm war als Sportler und mit seinem „natürlichen Wesen“ ihr Idol. Am 24. Mai 1913 heiratete Victoria Luise Ernst August (III.) von Braunschweig, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Prinz von Hannover.
Im Jahr 1910 ernannte der Kaiser die achtzehnjährige Prinzessin endlich zum Chef des 2. Leibhusaren-Regiments. Zuvor gehörte es ihrer Großmutter Kaiserin Victoria. Vorschriftsmäßig in Uniform gekleidet meldete sich Victoria Luise bei ihrem Vater, der ihr die Kabinettsorder mit ihrer Ernennung überreichte. Danach empfing sie zum ersten Mal die Offiziere ihres Regiments.

Zu den Kaisertagen 1910 in Danzig hatte Victoria Luise ihr Regiment dem Kaiser vorzuführen. Bei solchen Militär-Veranstaltungen saß Victoria bis zu fünf Stunden im Sattel. Neben Frühjahrsparaden, denen Victoria Luise nur vom Schloss aus zusah, standen Geburtstagsparaden für den Kaiser, Paraden am Sedantag (2. September, Gedenken an Sieg von Sedan 1870), Rekrutenvereidigungen durch den Kaiser, Paraden auf dem Tempelhofer Feld, Kaisermanöver etc. im preußischen Kalender.

Bedeutung der Uniform

Die Uniform galt allgemein als Ausdruck männlicher Stärke und sog. preußischer Tugenden wie Tapferkeit, Gehorsam und Pflichtbewusstsein. Die besondere Art von höfisch-militärischer Repräsentation band in Preußen auch Königinnen und Prinzessinnen eng an die Armee.
Die Uniform Victoria Luises ist eine feminine Variante der als besonders männlich geltenden schwarzen Husarenuniform. Sie besteht aus einem Rock, einer Attila (Jacke) mit geflochtenen weißen Schnüren. Zugehörig, aber nicht ausgestellt, sind ein mit Pelz besetzter Dolman (eine Art Cape) und eine Pelzmütze mit weißem Totenkopfsymbol.
Auch wenn Victoria Luise nur selten die Gelegenheit erhielt, ihre Uniform zu tragen, beispielsweise bei Paraden oder Regimentsbesuchen, wurden gerade diese Auftritte von ihr im Bild, vor allem als Postkarten, die vermehrt zwischen 1910 und 1913 entstanden, verbreitet. Das von ihr vielgeliebte Medium der Fotografie wurde also, ähnlich wie bei ihrem Vater, zur bestmöglichen Inszenierung der Kaiserfamilie genutzt.

Kostümtechnische Details

Schulterhöhe der Trägerin:  ca. 1,45 m
Erhaltungszustand: gut, bis auf kleine Mängel im Tuchgewebe
Kein Herstelleretikett vorhanden
Material: Wolltuch, Futterstoff schwarzer Seidenköper

Attila:

Verschnürung: Gespinnst, Metall, versilbert
Achselstücke geflochten aus Silbergespinnst, auf rechtem Schulterstück  „V“ und Krone
Knöpfe: flach scheibenförmig, weiß-silber, Rand Rückseitige Aufschrift: EXTRA FEIN, kein Hersteller-/ Lieferantenname
Tressen: Metall, versilbert, an Kragen und Ärmeln je eine schmale und breite Tresse, mit Nähmaschine aufgenäht, sowie eine Soutage
Nebeneinander drei senkrechte, darunter untereinander zwei waagerechte Schlaufen für Orden

Rock:  

Tailleband – zwei cm breites Ripsband, links verschließbar mit Haken und Öse, sowie Druckknöpfen
Links eingearbeiteter Taschenbeutel, beidseitig mit zwei cm breiter Tresse (gleiches Muster wie schmale Tresse an Attila) besetzt, nicht gefüttert.

Militarismus und Frauenbild in Preußen

Das Bild Preußens ist bis heute stark vom Image des Militärstaates geprägt. Uniform und Pickelhaube sind im kollektiven Gedächtnis fest mit Preußen verbunden. Tatsächlich war der preußische Hof frühzeitig stark von den Formen des Militärs bestimmt. Auswärtige Besucher Berlins fanden es bemerkenswert, dass selbst weibliche Familienmitglieder der Hohenzollern sich öffentlich in Uniform zeigten und als Regimentschefs militärische Posten bekleiden. So trugen gerade die Hohenzollerinnen zu dem Eindruck bei, die preußische Gesellschaft sei bis in den letzten Winkel durchmilitarisiert.

Von 1806–1919 gab es in Preußen 28 weibliche Regimentschefs – eine europaweit einzigartige Erscheinung. Die prestigeträchtige Chef-Rolle von Königinnen, Prinzessinnen und Herzoginnen diente nicht nur zur engen Bindung der Armee an das Haus Hohenzollern. Sie intensivierte auch dynastische Kontakte und diente zur Herrschaftsfestigung in Krisensituationen. Zwar eröffnete die Ehrenstellung als Regimentschef den Frauen neue Repräsentationsspielräume, ihre vorwiegend karitativ-sozialen Aufgaben blieben jedoch dieselben wie bisher.

Tradition der weiblichen Uniformen in Brandenburg-Preußen

Bereits im späten 17. Jh. rückte eine Frau in für damalige Verhältnisse  ungewöhnliche Nähe zur Armee. Kurfürstin Dorothea begleitete ihrem Mann Friedrich Wilhelm auch auf militärischen Unternehmungen. 1676 ernannte der Kurfürst seine Frau während des Niederländisch-Französischen Kriegs zur Inhaberin des neu aufgestellten „Leib-Regiments zu Fuß“, sozusagen als Platzhalterin für ihre gemeinsamen Söhne. Das war im ausgehenden 17. Jh. einmalig.
Unter Friedrich Wilhelm I. etablierte sich das Tragen von Uniformen am Hof. Auch Friedrich II. ließ sich immer wieder in Uniform porträtieren. Eine enge Bindung zur Armee bewiesen auch Friedrichs Ehefrau Elisabeth Christine und seine Schwester Dorothea Marie, wenn sie dunkelblaue Kleider trugen, deren Applikationen den schmückenden Stickereien an den preußischen Offiziersuniformen glichen.

1806, inmitten der Kriege gegen Napoleon, ernannte Friedrich Wilhelm II. seine Frau Luise, die klar Stellung gegen Frankreich bezog, zum Chef des Dragoner-Regiments Nr. 5, das fortan „Dragoner-Regiment der Königin“ genannt wurde. Zur Abnahme der Parade trug Luise erstmals eine Uniform in blau mit roten Aufschlägen, Rabatten, silbernen Litzen und einem blauen Rock. Seit Luise galten alle Königinnen von Preußen als Chef des „Regiments der Königin“. Elisabeth von Bayern war nach ihrer Krönung 1840 der nächste Chef des Regiments, das inzwischen Uniformen in Weiß und Rot trug. Elisabeth passte sich auch hier farblich an, zeigte allerdings in erster Linie ein soziales und finanzielles Engagement, das seit den Befreiungskriegen auch als Zeichen patriotischer Gesinnung galt.

1861 wurde Königin Augusta nicht nur Chef des Königin-Regimentes, sondern auch eines weiteren. Auch sie engagierte sich vor allem sozial und karitativ und kümmerte sich v. a. um die Versorgung der Familien von in Gefangenschaft geratenen Soldaten. Die Königinwitwe und die Kronprinzessin erhielten ebenfalls ihre eigenen Regimenter. Diese verstärkte Entwicklung der Regimentsverleihung ist nicht zuletzt vor dem sog. Preußischen Verfassungskonflikt zu sehen, in dem es um die Finanzierung einer Heeresform und ihrer Vergrößerung ging, die zwischen König und Parlament äußerst strittig war. Königliche Regimenter aber konnten schwieriger aufgelöst werden, wodurch der Militärstaat erhalten blieb.

Weitere Infos: www.frauensache-preussen.de

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Dr. Ulrich Henze Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Ausstellungsprojekte
Postfach 60 14 62
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