Neue Dauerausstellung: Paretz. Ein königlicher Landsitz um 1800

Blick in den Raum "Wandel und Modernität um 1800 am Berliner Hof" © SPSG / Foto: Wolfgang Pfauder

01.04.2015

Königliche Landbaukunst

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) eröffnet mit Saisonbeginn die neue Dauerausstellung im Schloss Paretz

Unter dem Titel „Paretz. Ein königlicher Landsitz um 1800“ eröffnet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) am 1. April 2015 die neue Dauerausstellung im Schloss Paretz. Die inhaltlich und gestalterisch überarbeitete sowie thematisch erweiterte Präsentation widmet sich der Geschichte und Nutzung des Schloss- und Dorfensembles sowie dessen Einordnung in die allgemeinen Zeitläufe. Das Projekt wurde durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Für das preußische Thronfolger- und spätere Königspaar Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) und Luise (1776–1810) zwischen 1797 und 1810 nach Entwürfen des Architekten David Gilly (1748–1808) planmäßig angelegt und mit hohem ästhetischen Anspruch ausgeführt, gilt Paretz noch heute als das Musterbeispiel der preußischen Landbaukunst um 1800. Es erfüllte sowohl den Wunsch nach einem königlichen Landsitz als auch die Anforderungen an ein funktionierendes Bauerndorf. Zudem fügt es sich harmonisch in die weite Landschaft an der Havel ein. Etwa 20 Kilometer von Potsdam entfernt, gehört Paretz nach wie vor zu den schönsten Ausflugszielen im Land Brandenburg.

Paretz neu entdecken!

Was aber ist das Besondere an Paretz? Wer gab die entscheidenden Anregungen zu dessen Gestaltung? Wann entstand jener Mythos von der engen Beziehung der Königin Luise zu diesem Ort? Und welche Entwicklung nahm das Schlossensemble im 20. Jahrhundert? Diese und weitere Fragen sind Leitthemen der neuen Dauerausstellung.

Genutzt werden dafür acht Räume im Erdgeschoss des Schlosses, die dem Rundgang durch die ehemalige Königswohnung vor- bzw. nachgelagert sind und deren historische Ausstattung nicht erhalten ist. Aufgrund dieser vorgegebenen Raumdisposition war es notwendig, die neue Ausstellung inhaltlich in zwei Komplexe zu gliedern. Das Ausstellungsdesign verantwortete die Tecton GmbH, Berlin; die grafische Gestaltung übernahm das Büro GRAFISCH, Berlin.

Die ersten drei Räume vor der königlichen Wohnung ermöglichen dem Besucher ein „Einlesen“ in Ort und Zeit. Sie dienen der Information über die Entstehungs- und Nutzungsgeschichte von Dorf und Schloss, über Paretz als Gedächtnisort und über die Intentionen und Anstrengungen, das Schloss von 1997 an baulich wiederherzustellen und ab 2001 museal zugänglich zu machen. Dieser Rückblick hilft dem Besucher zu erkennen und zu beurteilen, was er bei der anschließenden Besichtigung der rekonstruierten Königswohnung mit ihren originalen Papiertapeten und Einrichtungsgegenständen zu sehen bekommt.

Im Gartensaal endet Rundgang durch das ehemalige königliche Appartement. Man kann von hier den direkten Weg zum Ausgang wählen oder das Angebot zu einer „Nachlese“ bzw. Vertiefung zum soeben Gesehenen und Erfahrenen in fünf weiteren Räumen annehmen.

Die Entstehung von Paretz fiel in eine Zeit tiefgreifender und nachhaltiger Veränderungen in Lebensstil, Naturwahrnehmung und künstlerischen Ausdrucksformen. Die ersten gemeinsamen Jahre des seit 1797 regierenden Königspaares Friedrich Wilhelm III. und Luise hatten der preußischen Hauptstadt ein Jahrzehnt der kulturellen Blüte beschert. Es war eine Zeit des Transfers neuer Ideen und Moden vor allem aus Paris und London. Einige ausgewählte Aspekte werden in der Ausstellung aufgerufen. Dabei wird immer auch ein gedanklicher Bezug zu Paretz hergestellt.

Mit künstlerisch bemerkenswerten Bildnissen, u. a. von Johann Gottfried Schadow (1764–1850), Christian Daniel Rauch (1777–1857), Johann August Tischbein (1750–1812) und Johann Heinrich Schröder (1757–1812), werden das Königspaar und enge Verwandte aus Luises Mecklenburg-Strelitzer Familie vorgestellt. In dem mit „Wohnen in Stadt und Land“ überschriebenen Ausstellungsraum geht es um die von Friedrich Wilhelm III. und Luise bevorzugten Wohn- und Aufenthaltsorte in Berlin und Potsdam. Reizvoll und erhellend ist dabei der Vergleich der Ausgestaltung des Landsitzes Paretz mit dem Wohnkomfort im Kronprinzenpalais, der ab 1797 Königliches Palais genannten Hauptresidenz des Königspaares in Berlin.

Auch das Potsdamer Stadtschloss war – im Frühjahr sowie ab September bis in den Spätherbst hinein – für längere Aufenthalte bestimmt. Zwischen 1799 und 1804 entstanden dort im Auftrag Friedrich Wilhelms III. drei völlig neu ausgestattete Paradekammern. Diese Räume zeichneten sich durch eine überaus kostbare Einrichtung aus, die zu den Glanzleistungen des preußischen Kunsthandwerks um 1800 gehörten. An keiner anderen Stelle hatte der sonst so sparsame König eine derartige Pracht entfaltet.

In diese Zeit fiel auch die Errichtung des heute fast in Vergessenheit geratenen Belvederes auf dem Brauhausberg in Potsdam, das 1803 als künstliche mittelalterliche Turmruine errichtet, 1945 stark zerstört und 1958 abgetragen wurde. Im Inneren überraschte das für Königspaar bestimmte Aussichtszimmer mit einer Ausstattung, die sich an Vorbildern aus der Antike orientierte. Erstmalig seit dem Zweiten Weltkrieg ist nun in der Paretzer Ausstellung eine Auswahl von Sitzmöbeln aus dem Brauhausberg-Belvedere wieder zu sehen.

Auch in der Nähe von Paretz entstand 1803 auf Veranlassung des Königs ein Belvedere als künstlicher Ruinenturm im „Gothischen Geschmack“. Dessen Vorstellung als „Außenposten“ der Paretzer Gartenanlagen in Wort und Bild leitet in den letzten Raum der Ausstellung über. Hier erhält der Besucher einen Einblick in die Geschichte der drei gestalteten Gartenräume des Ortes – Schloss-, Kirch- und Rohrhausgarten – bevor er sich wieder nach draußen begibt, um mit geschärftem Blick das Besondere an Paretz zu entdecken.

Die Themen-Räume

  • Raum 1: Paretz. Ein königlicher Landsitz um 1800 – Idee und Entstehung von Schloss und Dorf Paretz 1797–1810
  • Raum 2: Paretz als Erinnerungsort 1811–1945
  • Raum 3: Schloss Paretz von 1945 bis zur Gegenwart
  • Raum 4: Wandel und Modernität um 1800 am Berliner Hof – Eine Nachlese
  • Raum 5: Wohnen in Stadt und Land, Das Kronprinzenpalais / Königliche Palais in Berlin
  • Raum 6: Das Belvedere auf dem Brauhausberg in Potsdam
  • Raum 7: Das Belvedere bei Paretz
  • Raum 8: Die Paretzer Gärten

Kostbare Objekte – eine Auswahl

Raum 1
Unbekannter Künstler
Valentin von Massow, um 1810
Blei, künstlich patiniert
Burg & Schloss Museum Allst
edt

1793 wurde Valentin von Massow (1752–1817) zum Hofmarschall des späteren Königs Friedrich Wilhelm III. berufen. Zu seinen Pflichten gehörten nicht nur die Organisation der Empfänge und Audienzen, der Reisen und Staatsbesuche, sondern auch die Aufsicht über den königlichen Haushalt. 1797 wurde Massow außerdem zum Intendanten der Schlösser und Gärten ernannt. Der Ausbau von Paretz war die anspruchvollste Aufgabe für den auch künstlerisch vielseitig Begabten, der seine – nordöstlich von Fürstenwalde gelegene – eigene Gutsanlage in Steinhöfel schon ab 1790 durch den Architekten David Gilly umgestalten ließ. Ein Besuch des Kronprinzenpaares in Steinhöfel gab den wohl entscheidenden Impuls für den Erwerb und die Neugestaltung von Paretz ab 1797.

Raum 2
Ein Paar Vasen mit Ansichten des Schlosses Paretz, um 1830
Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin,
Henkel aus feuervergoldeter Bronze
Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V.

Die beiden Vasen stammen aus dem Besitz der russischen Kaiserin Alexandra Fjodorowna (1798–1860). Als Prinzessin Charlotte von Preußen geboren, war sie die älteste Tochter Friedrich Wilhelms III. und Luises. 1817 hatte sie den russischen Großfürsten und nachmaligen Kaiser Nikolaus I. (1796–1855) geheiratet. Mit Paretz verband Charlotte Erinnerungen an ihre Kindheit. Im Sommer 1833 weilte sie wieder an diesem Ort und erhielt anlässlich ihres Geburtstages diese Vasen von ihrem Vater zum Geschenk.

Raum 4
Johann Gottfried Schadow
Büste der Kronprinzessin Luise von Preußen, 1795
Papiermachè, vermutlich „Ludwigsluster Carton-Fabrique“
SPSG, bis 1945 Hohenzollernmuseum

Johann Heinrich Schmidt
Kronprinz Friedrich Wilhelm (III.) von Preußen, 1793
Pastell auf Pergament
SPSG

Raum 5
Räuchergefäße aus dem Schlafzimmer der Königin Luise im Königlichen Palais
Eigentum des Hauses Hohenzollern, SKH Georg Friedrich Prinz von Preußen

In der Mitte ist ein Trépied (Dreifuß) aus geschwärztem Eisen mit vergoldeten Bronzebeschlägen aufgestellt, die beiden anderen Räuchergefäße sind aus Silber gefertigt und ruhen in Gestellen aus Mahagoniholz mit versilberten Verzierungen (Berlin, um 1800/1810). Aus der Wohnung der Königin Luise im Berliner Palais sind mehrere, in Anlehnung an antike Dreifüße geschaffene Räuchergefäße aus unterschiedlichen Materialien und in verschiedenen Größen überliefert. Die tatsächliche Nutzung der Räuchergefäße ist ungewiss. Sie sollten wohl weniger wohlriechende Düfte verbreiten als mehr eine Atmosphäre des überirdisch Entrückten hervorrufen und den Bezug zur Antike herstellen.

Johann Jacob Müller
Toiletteservice der Königin Luise aus ihrem Schlafzimmer im Königlichen Palais
Potsdam, um 1805
Silber, gegossen, getrieben, graviert, feuervergoldet
SPSG, Stiftung S. K. H. Louis Ferdinand, Prinz von Preußen, 1985

Der Tag einer vornehmen Dame begann von jeher mit einer ausgedehnten Morgentoilette. Zu einem Toiletteservice gehörte alles, was für diese morgendliche Zeremonie nötig war: Spiegel, eine Lavabo-Garnitur, Leuchter, Dochtschere, Pomaden- und Puderdosen, Parfümflakons, Tabletts zum Darreichen von Schmuck und Haarnadeln, eine Tischglocke und weitere Behältnisse. Das Toiletteservice der Königin Luise umfasste einst 32 Stücke. Fast alle zeigen das gravierte Monogramm der Besitzerin. Das Ensemble befand sich in Luises 1803 neu ausgestattetem Schlafzimmer im Königlichen Palais.

Raum 6
Sitzmöbel aus dem Belvedere auf dem Brauhausberg, 1803
Berlin/Potsdam
Kiefernholz (Sofa), Birke (Stuhl, Hocker), Baumwollkattun, bedruckt, mit Posamenten
Bis 1945 im Hohenzollernmuseum
Eigentum des Hauses Hohenzollern, SKH Georg Friedrich Prinz von Preußen

Zur Einrichtung des Zimmers in der zweiten Etage gehörten ursprünglich vier Ecksofas, acht Stühle und vier Hocker. Nicht alle Teile dieser Sitzgruppe blieben erhalten. Die einfachen, der Antike entlehnten Möbelformen entsprechen ihrer Nutzung in einem privaten Domizil und waren durch die üppige Polsterung sehr bequem. Bemerkenswert sind die original erhaltenen
Stoffbezüge, die in dem damals aktuellen etruskischen Geschmack angefertigt sind. Einer Aktennotiz zufolge, waren 1803 genaue Anweisungen der Königin Luise zur Ausstattung des Belvederes eingeholt worden.

Raum 7
Baufragment vom Belvedere bei Knoblauc, 1803
Kapitell aus Sandstein
Verein Historisches Paretz e.V.

Informationen:

Schloss & Schlossgarten Paretz
Parkring 1
14669 Paretz / Ketzin

Öffnungszeiten:
April bis Oktober
01.04.–31.10.2015
Montag: geschlossen
Dienstag–Sonntag: 10–18 Uhr

November bis März
01.11.–31.03.2016
Montag–Freitag: geschlossen
Samstag/Sonntag: 10–16 Uhr

Eintritt:
6 Euro / ermäßigt 5 Euro

Weitere Informationen unter www.spsg.de/koeniglicher-landsitz

Kontakt

Dr. Ulrich Henze Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Ausstellungsprojekte
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam

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