Hüllensanierung im Rahmen des Masterplans hat begonnen

12.09.2014

Schloss Cecilienhof „unter Dach und Fach“

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) konnte Dank des Sonderinvestitionsprogramms für die preußischen Schlösser und Gärten mit der dringend erforderlichen Sanierung der Gebäudehülle des Schlosses Cecilienhof beginnen. Die Maßnahme soll bis 2017 abgeschlossen werden und hat ein Volumen von 9,7 Millionen Euro. Es ist die erste grundlegende Sanierung an dem von 1913 bis 1918 für das Kronprinzenpaar Cecilie und Wilhelm errichteten Schloss.

Die Hüllensanierung im Rahmen des für das Investitionsprogramm aufgestellten Masterplans der SPSG dient vorrangig der Instandsetzung und nachhaltigen Sicherung der bedrohten Bausubstanz. Die Sanierung der technischen Infrastruktur soll die Betriebskosten senken und die denkmalgeschützte Bausubstanz vor Havarien bewahren. Die Reparaturen werden vorrangig handwerklich und unter Verwendung originaler oder originalgetreuer Ersatzmaterialien erfolgen.

Schloss Cecilienhof bleibt während der bis 2017 andauernden Sanierungsphase für den Publikumsverkehr geöffnet. Die Besucher können nicht nur den Fortgang der Dach-, Fassaden- und Gartenstützmauersanierung von außen erleben, sondern auch in den Innenräumen am Ergebnis von Restaurierungsleistungen unmittelbar teilhaben.

Das Schloss besitzt fast 70 Jahre nach der Potsdamer Konferenz noch immer eine große internationale Anziehungskraft und wird in der Saison täglich von mehr als 1000 Gästen aus aller Welt besucht. Der „Rote Stern“ im Ehrenhof wird bis heute als Bestandteil der „Historischen Stätte der Potsdamer Konferenz“ bepflanzt und ist eines der bekanntesten Fotomotive in Potsdam. Der jüngste Schlossbau der Hohenzollern hat durch das politische Großereignis von 1945 eine ganz besondere zeitgeschichtliche Bedeutung, gleichermaßen präsentiert die SPSG in dem Haus auch eine „Innenansicht“ der Residenz des letzten preußischen Kronprinzenpaares.

Die Sanierungsmaßnahmen im Einzelnen

Dachkonstruktion und Dachhaut

Das Erscheinungsbild des Schlosses wird in besonderem Maß vom Dach geprägt. Eine umfassende Sanierung der Dachlandschaft fand seit der Erbauung nicht statt, Eingriffe und Umdeckungen sind nur partiell festzustellen. Das Dachtragwerk aus Nadelholz ist in erheblichem Umfang geschädigt. Die Handstrichbiber (Typ „Lausitzer“) zeigen einen hierzulande eher unüblichen gradwinkligen Schnitt. Obwohl die Dachsteine an englische Ziegel erinnern, stammen sie nicht aus englischer Produktion. Leichte Unregelmäßigkeiten in Form, Farbe und Oberfläche betonen die handwerkliche Herstellung und verleihen der Dachhaut ihren traditionellen Charakter. Um diesen ursprünglichen Charakter zu erhalten wird das Dach komplett umgedeckt und mit Ersatzdachziegeln ergänzt. Begleitende Maßnahmen sind die Reinigung und zimmermannsmäßige Reparatur der Dachkonstruktionshölzer, sowie die Sanierung der Dachentwässerung aus Zinkblech.

Schornsteine

Charakteristisch für das Dach sind auch die nach englischen Vorbildern gestalteten Schornsteine, die durch wenige jüngere Schornsteine des Hotels ergänzt wurden. Letztere ersetzen offenbar bauzeitliche Schornsteine und weisen starke Ausblühungen und im Dachraum Versottungen sowie an den Köpfen Frost- und Säureschäden auf. Neben der Restaurierung der Zierschornsteine wird der dominierende Zentralschornstein im Rahmen der Erneuerung der Heizungsanlage im musealen Bereich technisch saniert und in seiner historischen Form neu aufgemauert.

Fachwerk und Fassadenputze

Das in Eichenholz errichtete Fachwerk ist größtenteils eine Blendkonstruktion, das nur in den Giebelbereichen nicht hintermauert ist. Das Fachwerk wurde als traditionelle Schlitz- und Zapfenkonstruktion mit Holznägeln und zimmermannsmäßigen Zierkonstruktionen gefertigt. Es weist aber auch typische Spuren maschineller Verarbeitung und Vorfertigung auf. Die Fachwerkkonstruktion ist mit Ausnahme einiger sanierungsrelevanter Schwindrisse und klaffender Fugen allgemein in einem guten Zustand, muss aber in Teilbereichen demontiert, repariert und ergänzt werden. An den Eichenhölzern sollen Alterungsspuren in Form silbrig gealterter Oberflächen erkennbar bleiben.

Bei den Putzgefachen zeigen sich größere Schäden nur in einigen Ausfachungen und im Bereich der Regenfallrohre. An diesen Stellen müssen Ergänzungen in Anlehnung an die historische Handwerkskunst vorgenommen werden. An der Nordfassade wurde eine gebäudehohe Musterachse angelegt, in der die Sanierungstechnologie erprobt und überlieferte Handwerks- und Restaurierungstechniken sowie traditionelle Materialien getestet wurden.

Naturstein, Sichtziegelmauerwerk inkl. Ziegelgefache

Der Natursteinsockel der Wandflächen besteht im erdberührenden Bereich aus Kalkstein und unmittelbar darüber aus Sandstein. Der Kalkstein weist meist eine helle, kaum verschmutzte Oberfläche auf, der Sandstein ist rauer und stärker verschmutzt. Der Natursteinsockel ist einem Ziegelmauerwerk vorgeblendet. Die Sockelverfugung ist insgesamt in einem desolaten Zustand. Der Fugenmörtel ist vielfach entfestigt und absandend, daher wird eine Komplettneuverfugung im Sockelbereich bzw. Verfestigung der geschädigten Fugen in anderen Bereichen durchgeführt.

Die Naturwerksteine der Fassaden weisen insgesamt kaum Schäden auf. Insbesondere an den Fenstergewänden aus Sandstein sind die Kanten noch so scharf wie am Tag der Herstellung.
Die handgestrichenen roten Ziegel der vorgeblendeten Ziegelflächen, Gefache und Schornsteine lassen in Form, Farbe und Oberfläche größere Unregelmäßigkeiten erkennen und fügen sich dadurch gut in das beabsichtigte traditionelle Erscheinungsbild der Fassaden ein. Schädigungen sind bisher vor allem an den Schornsteinköpfen festgestellt worden. Der bauzeitliche Fugen- und Mauermörtel sandet vielfach ab und weist oft kaum noch Festigkeit auf. Für notwendige Ergänzungen wurden – wie für das Ersatzmaterial des Daches – Ziegel in verschiedenen Musterbränden nachproduziert, um mit den Reparaturstellen das Gesamterscheinungsbild möglichst homogen zu erhalten.

Fenster und Außentüren

Schloss Cecilienhof besitzt etwa 500 Außenfenster (und 25 Außentüren). Die Einfach- und Kastenfensterkonstruktionen sind aus Stahl oder Holz gefertigt und teilweise mit hochwertigen Bleiverglasungen versehen. Mit Ausnahme des großformatigen Fensters des Konferenzsaales fügen sie sich meist in die engmaschigen Fachwerkachsen ein. Obwohl die Fensterkonstruktionen im Allgemeinen keinen schlechten Erhaltungszustand aufweisen, sind teilweise erhebliche Korrosionsschäden sowie funktionale Mängel festgestellt worden. Die Fugendichtigkeit ist zum Teil mangelhaft und für die präventive Konservierung und Energieeinsparung im Inneren problematisch. Daher werden alle Fenster und Außentüren schlossermäßig bzw. tischlermäßig instandgesetzt und erhalten einen neuen Schutzanstrich

Erneuerung zentraler, haustechnischer Anlagen

Neben den vorgeschriebenen Maßnahmen an der Gebäudehülle werden zentrale technische Anlagenteile, wie die Abwasserdruckleitung und -hebeanlage, sowie die Heizungsanlage im musealen Bereich erneuert. Neben positiven Effekten auf die Betriebs- und Wartungskosten wird auch bei diesen technischen Komponenten viel Wert auf die historischen Grundwerte der haustechnischen Installation und deren Raumwirkung gelegt.

Mit Hilfe von Originalzeichnungen konnten die historischen Wandnischen für Installationen freigelegt und für die Neuinstallationen wieder aktiviert werden. Im Frühstückszimmer wird durch die Neuinstallation der historischen Voutenbeleuchtung unterhalb der gewölbten Decke das ursprüngliche Lichtkonzept wiederbelebt.

Restaurierung des Gästeappartements

Auch wenn der Schwerpunkt des Masterplanprojektes auf der Sanierung der  Gebäudehülle und der zentralen technischen Anlagen liegt, werden bislang noch nicht erbrachte Restaurierungsleistungen in den Innenräumen ebenfalls Teil der Maßnahme. An dem Ergebnis werden die  Museumsbesucher teilhaben können, indem das sogenannte Gästeappartement im Obergeschoss des Schlosses wiederhergestellt und zukünftig in den Museumsrundgang durch die Privaträume des Kronprinzenpaares integriert wird.

Außenraum und Terrassenmauern

Um Gerüststellungen an den Fassaden zu ermöglichen und insbesondere um die einsturzgefährdeten Terrassenmauern nachhaltig sanieren zu können, haben die SPSG-Gärtner in diesem Frühjahr eine der „größten Umpflanzaktionen“ in der Gartengeschichte im Umfeld des Schlosses durchgeführt. Die gartendenkmalpflegerisch besonders wertvollen und bis zu 40 Jahre alten Topiary (Eiben-Formschnittbäumchen) wurden geborgen und für die Dauer der Baumaßnahme in die Gärtnerei des Neuen Gartens umgepflanzt. Dort sind die Gehölze nun „zur Kur“, um den Stress des Umsetzens mit Radlader und Hebewerkzeugen zu verarbeiten. Die „Kur“ in der Gärtnerei Neuer Garten bekommt den Topiary bislang sehr gut, sie gedeihen wie am Originalstandort und können nach Abschluss der Baumaßnahme wieder ihren alten Platz zurückkehren.

Geschichtlicher Überblick

Schloss Cecilienhof wurde 1913–17 nach Plänen von P. Schultze-Naumburg für Kronprinz Wilhelm und dessen Familie zur ganzjährigen Bewohnung errichtet. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der bis zum Dach fertig gestellte Rohbau ausgesetzt und ab 1915 unter Beteiligung des Kammerherrn von Stülpnagel wieder fortgeführt. Zur Fertigstellung 1917 waren noch nicht alle Innenräume eingerichtet. Die Familie des Kronprinzen bewohnte das Schloss vom Herbst 1917 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945. Bei der Flucht vor den anrückenden sowjetischen Truppen ließen die Hohenzollern sämtliche Möbel und Kunstgegenstände zurück.

Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 hielten sich die Vertreter der Siegermächte USA, Großbritannien und Sowjetunion in Schloss Cecilienhof auf. Stalin, Truman und Churchill (später Attlee) konferierten dort über die europäische Nachkriegsordnung. Die Delegationen nutzten 36 Räume, die von den sowjetischen Gastgebern zuvor gründlich renoviert und als Arbeitszimmer eingerichtet worden waren. In den folgenden Jahren nutzte die sowjetische Besatzungsbehörde das Schloss als Klubhaus.

Nach der Übergabe an das Land Brandenburg wurde 1952 die Gedenkstätte zum Potsdamer Abkommen eingerichtet, in der auch Staatsgäste der DDR empfangen wurden. Das seit 1960 eingerichtete Hotel wurde ab 1985 durch das VEB Reisebüro der DDR modernisiert.

Für die im Rahmen des Masterplans relevanten Sanierungsmaßnahmen lassen sich folgende Bau-, Umbau- und Nutzungsabschnitte unterscheiden:

1913–1918
Bauzeit bis Ende des 1. Weltkrieges

1918–1945
Familienwohnsitz des ehem. Kronprinzenpaares bis Ende des 2. Weltkrieges

1945
17. Juli bis 2. August: Potsdamer Konferenz

1945–1952
Nutzung durch die sowjetische Militäradministration

1952
10. Januar: Eröffnung der Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens

1952–1960
Gedenkstätte und Bildungseinrichtung des DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschlands)

1960–1984
Teilumbau Prinzen- und Wirtschaftsflügel zum Schlosshotel Cecilienhof und Nutzung durch das Reisebüro der DDR

1985–1989
Rekonstruktion und Teilumbau Hotelbereich und Nutzung als 4-Sterne Valuta-Hotel

1989–2004
Umnutzungen, Umbauten und Wiederherstellungsmaßnahmen in Hotel und Museum

1995
Wiedereröffnung der Privaträume des Kronprinzenpaares

Heutiges Erscheinungsbild

Die Kronprinzessin Cecilie konnte 1917 in die im Stil eines Englischen Landhauses (sogenannter „Tudor-Stil“) konzipierte Residenz einziehen. Nach Plänen von Paul Schultze-Naumburg hatten die Saalecker Werkstätten ein modernes Gebäude zur ganzjährigen Nutzung errichtet, das in seiner äußeren Erscheinung bis heute von seiner gewaltigen Dachlandschaft und dem markanten Fachwerk aus Eichenholz geprägt wird. Hinter der historischen Fassade verbirgt sich eine für den Beginn des 20. Jahrhunderts innovative Rohbaukonstruktion, bei der Stahl in den unterschiedlichsten Profilen verwendet wurde. Dieses Material versprach schnellen Baufortschritt und bei entsprechendem Korrosionsschutz auch Langlebigkeit und Stabilität. Tragende Wände bestehen aus massivem Ziegelmauerwerk und alle Geschosse sind mit Stahlsteindecken, sogenannten „Anker-Dübel-Decken“, verbunden. Auch die Stürze über den Fenstern, Türen und Erkern sind größtenteils als Stahlträger ausgeführt.

Zu den nachträglichen Eingriffen zählen die Überbauung eines kleinen Wirtschaftshofes (Dachaufsicht) und die Errichtung neuer Schornsteine. Auch der Austausch der meisten Bleiglasscheiben gegen gewöhnliches Fensterglas und die verfälschenden Anstriche auf dem Eichenfachwerk und Rauputz, die ursprünglich ungefasst waren, haben den äußeren Eindruck des Hauses nachhaltig verändert.

Zur Konferenz wurde eine Fenstertür vom Weißen Saal auf die Seeterrasse als Eingang für Stalin und seine Delegation mit einem repräsentativen Vordach ausgestattet, das noch in Teilen erhalten ist. Nachdem der Ehrenhof bereits zur Konferenz 1945 gärtnerisch umgestaltet wurde, erfolgten 1974-1976 weitere Neugestaltungen der Gartenanlagen in den Innenhöfen und auf den Terrassen.

Die Gebäudeteile des Schlosses gruppieren sich um fünf Innenhöfe: den großen Ehrenhof in der Mitte, einen kleinen Gartenhof – den Prinzenhof – und drei Wirtschaftshöfe. Der stark plastisch geprägte Fassadenaufbau wird zu den Innenhöfen und nach außen durch hervor- und zurücktretende Bauteile, Risalite und Erker sowie durch den Wechsel von giebel- und traufständigen Fassadenabschnitten mit unterschiedlichen Trauf- und Giebelhöhen charakterisiert. Die vielgliedrige Dachlandschaft ist durch die komplexe Grundrissgeometrie und Höhenniveausprünge geprägt und mit zahlreichen Zierschornsteinen auffallend reich geschmückt. Die Fassaden weisen im Erdgeschoss über einem Rustikasockel aus Natursteinen zumeist einen Rauhputz und in den Obergeschossen Fachwerk mit verputzten oder gemusterten Backsteingefachen auf.

Einzelne Gebäudeteile sind akzentuiert durch Giebel und Erker, Musterfachwerk, Zierverband und Rustikaquaderung oder auch im Obergeschoss mit Rauhputz versehen. Symmetrie und Regelmäßigkeit werden dabei vermieden. Bei den vielfach bleiverglasten Fenstern zeigen sich serielle Grundmodule in vielfältigen Variationen. Bleiverglasung, ornamentierte Holzelemente, verzierte Fallrohre und Entwässerungskästen und das vorgeblendete Fachwerk tragen entsprechend den Idealen der Arts-and-Crafts-Bewegung zum traditionellen bzw. „handwerklichen“ Erscheinungsbild eines natürlich gewachsenen Landsitzes bei und täuschen über die Modernität des Entwurfs und der Baukonstruktion (u.a. Profilstahl) hinweg.

Insgesamt bildet die solide Bauweise des Schlosses, trotz wechselvoller Nutzungsgeschichte und in der Vergangenheit nur sehr partiell durchgeführter Baupflege, eine große Chance für diese UNESCO Welterbestätte. Die SPSG, das Brandenburgsche Landesamt für Denkmalpflege und die beauftragten freiberuflichen Planer haben sich mit dem Masterplan die Aufgabe gestellt, die Einzigartigkeit der Architektur zu erhalten und das Gebäude bis 2017 behutsam zu sanieren.

Kontakt

Elvira Kühn SPSG | Abteilung Marketing Öffentlichkeitsarbeit
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam
Fax: 0331.96 94-106

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