Neubeginn und Tradition

Neubeginn und Tradition. Monarchisches Erbe in Politik und Staat der DDR und der Bundesrepublik Deutschland

Konferenz, veranstaltet vom RECS der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und der Abteilung Neue Geschichte, Lehrstuhl Geppert, der Universität Bonn
25. bis 26. September 2015 in der Bundesakademie für Sicherheit, Schloss Schönhausen

Im demokratischen Deutschland wird mitten in der Hauptstadt Berlin ein neues Schloss gebaut. Es soll aber kein Schloss mehr sein, sondern, so wie es zurzeit aussieht, vor allem außereuropäische museale Sammlungen enthalten sowie eine Bibliothek. Und es soll als „Humboldt-Forum“ zudem eine Begegnungsstätte für die Menschen der ganzen Welt und Ort des Austauschs werden. Das entspricht dem Geist der Globalisierung und der Zeit und darüber hinaus dem gegenwärtigen Stand der kulturellen Reflexion. Dennoch gibt die Bundesrepublik Deutschland diesem Bauwerk die äußere, äußerst repräsentative Form eines symbolträchtigen Bauwerks ihrer monarchischen Vergangenheit. Was bedeutet dies?

Blickt man in die jüngere Vergangenheit seit 1945 zurück, so fällt auf, dass die deutsche Demokratie sich uneins war, wie sie mit dem Erbe der Monarchie umgehen sollte, das den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte. In der alten Bundesrepublik wie in der DDR wurden Schlösser zerstört und abgerissen; aber gleichzeitig zogen die Präsidenten der neu gegründeten Staaten in Deutschland in – Schlösser und residierten, empfingen und repräsentierten dort wie einst die Könige und Kaiser. Bundespräsident Theodor Heuss bezog zwar zunächst die Villa Hammerschmidt in Bonn, 1959 aber auch Schloss Bellevue in Berlin. Staatspräsident Wilhelm Piek hatte seinen Sitz schon zehn Jahre zuvor in Schloss Schönhausen in Pankow genommen. Hier hatte der Mitbegründer und Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands bereits kurz nach Kriegsende, 1946, seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert. Nach der deutschen Wiedervereinigung verlegte Richard von Weizsäcker den ersten Amtssitz des Bundespräsidenten dauerhaft nach Bellevue.

Aber aus welchen Gründen wählte man für die Präsentation und Repräsentation nach innen und außen in beiden Teilen Deutschlands Schlösser einer vergangenen, so oder so überwunden geglaubten Zeit? Was hat sich an Monarchischem im Zeremoniell und bei den Symbolen erhalten, an welche monarchischen Traditionen wurde angeknüpft? Welche Aussage trifft eine Republik, wenn sie sich ihres monarchischen Erbes bedient? Diese und weitere Fragen sollen im Rahmen der Konferenz erörtert und beantwortet werden.

Kontakt

Dr. Jürgen LuhSPSG | GeneraldirektionWissenschaft und Forschung
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