Blog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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Verträumte Freiheit und königliche Anmut: Die Parks Babelsberg und Sanssouci

30. Juli 2017, veröffentlicht von Elvira Kühn

Bei Besuchen im Park Babelsberg entdecke ich jedes Mal Neues – der Blick für Details wird dank der verschiedenen Sichten und der verträumten Freiheit dieses Landschaftsgartens geschärft. Wenn ich wiederum in den Park Sanssouci gehe, dann fühle ich mich in der Zeit zurückversetzt und bewundere die königliche Anmut und die gepflegte Präzision dieses Parks. Doch was ist es eigentlich, das diese beiden Parks so einzigartig wirken lässt? Ich, Mathilda Fischer, für ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst in der Denkmalpflege, habe mich auf die Suche nach den kleinen, aber feinen, ebenso wie den deutlichen Unterschieden und Gemeinsamkeiten in den beliebten Potsdamer Gärten gemacht.

Babelsberg. Ein Landschaftsgarten in reiner Form.

In Babelsberg verwirklichte Hermann Fürst von Pückler (1785 – 1871), Nachfolger Peter Joseph Lennés (1789 – 1866), ab 1842 seine Visionen und Ideen der Landschaftsarchitektur. Der Stil der Landschaftsgärten entwickelte sich um 1800 in England und bildete einen starken Kontrast zu den französisch geprägten Barrockgärten, denn die Landschaft sollte natürlich und unberührt wirken. Ein Landschaftsgarten versuchte der Natur ihre Geheimnisse zu entlocken.

Schloss Babelsberg – Blick über die Voltaireterasse. © SPSG / Foto: Leo Seidel

Pückler setzte auf das künstlerische Prinzip der „Zonierung“, wobei die Grünflächen, vom Schloss ausgehend, abgestuft gestaltet wurden. Heute können wir deshalb, anschließend an die Schlossterrassen in Babelsberg, den mit geschwungenen Wegen, Brunnen, vielfältigen Blühgewächsen und Blumenbeeten gestalteten „Pleasureground“ bewundern.

Ein Einblick in den Pleasureground im Park Babelsberg. © SPSG / Foto: Leo Seidel

Im Pleasureground gibt es neben Korbbeeten auch mit tönernen Ziegeln umrandete Beete. Die Umrandungen entstanden nach historischem Vorbild, denn schon Pückler verwendete die Ziegel als Begrenzung der Beete. In den 1970er Jahren hatte der damalige Gartenleiter Karl Eisbein Steine entdeckt, die aus dem Boden ragten. Das konnte doch kein Zufall sein! – Grabungen wurden durchgeführt und letztendlich die Standorte der ursprünglichen Beete gefunden. Die bei den Grabungen gehobenen tönernen Scherben wurden im nächsten Schritt zusammengefügt. Und siehe da – die Ziegel wurden wiederentdeckt und rekonstruiert. Viele verschiedene Ausführungen dieser Beeteinfassungen wurden im Laufe der Zeit nachgebaut und schmücken heute wieder die Beete im Park Babelsberg.

Das Korbbeet im Pleasureground von Babelsberg – Übrigens: Hier wird auch Gemüse angepflanzt. © SPSG
Ein Beet auf der Schlossterrasse vom Schloss Babelsberg …
…besonders zu beachten: die schönen Beeteinfassungen nach historischem Vorbild. © SPSG / Fotos: Leo Seidel

Mitte des 19. Jahrhundert war es Mode in der Gartenkunst, dass die Beete eines Landschaftsgartens in mehreren Kreisen bzw. Reihen gepflanzt werden. Hierbei war auf Struktur und Farbe zu achten. Pückler legte Wert darauf, dass beispielsweise die Ränder der Beete hell bepflanzt werden.

Helle Randbepflanzung durch Echeverien. © SPSG / Foto: Leo Seidel

Sanssouci. Ein Park mit verschiedenen Elementen der Gartenkunst.

Vor über 250 Jahren, Mitte des 18. Jahrhunderts, hat Friedrich der Große sein „sans, souci.“ entworfen. Der Stil der Zeit zeichnete den Park und gab ihm das Erscheinungsbild eines französisch geprägten, spätbarocken Gartens. Folgend wurde der Park unter anderem durch Peter Joseph Lenné erweitert und bekam im 19. Jahrhundert immer mehr Landschaftsgartencharakter, so dass heute von einem „gemischtem Stil“ die Rede ist. Wer aufmerksam durch den Park spaziert, kann also barocke Gartenkunst von Friedrich dem Großen bis hin zu Landschaftsgartenkunst von Peter Joseph Lenné erleben.

Durch die Blume betrachtet – Schloss Sanssouci. © SPSG

Gerade, geometrische Formen der Beete treffen auf die natürlichen Züge eines Landschaftsgartens – das Parterre von Sanssouci und der Marlygarten bilden starke Kontraste und veranschaulichen den „gemischten Stil“ des Parks Sanssouci auf schönste Weise.

Das sommerlich blühende Parterre vor dem Schloss Sanssouci. © SPSG
Der wunderschöne Marlygarten mit dem Friedenskirchenensemble im Hintergrund. © SPSG

Die Randbepflanzung der Beete besteht im Park Sanssouci aus Buchsbäumen, welche sehr gerade gestutzt werden und deutlich die Lenkung durch den Menschen und die damit verbundene Geometrie zeigen.

Schnipp Schnapp – Die perfekt zugeschnittenen Buchsbäume des Parterres von Sanssouci. © SPSG

Im 18. Jahrhundert sollten die Farben der Blumen "emallieren". Bedeutet: Der Farbverlauf der Bepflanzung sieht unbestimmt aus, hat aber einen Rhythmus. Zum Beispiel stehen höhere Pflanzen mittig und die anderen Blumen verteilen sich rundherum.

Ein Meer aus Blumen vor dem Schloss Sanssouci. © SPSG
Die Spinnenblume ist die höchste Blume in diesem farbenfrohen Beet. © SPSG

In den Parks und Gärten wurde und wird noch immer viel mit Grabungen oder verschiedenen historischen Quellen gearbeitet. Ein Beispiel dafür ist ein Reisebericht des kurhessische Hofgartendirektors Wilhelm Hentze aus dem Jahr 1857, welcher Auskunft über die Gestaltung des Parks Babelsberg gibt. Durch Quellen ist nicht nur die Lage der Beete bekannt, sondern auch deren Bepflanzung.

Der historische Reisebericht von Wilhelm Hentze aus dem Jahr 1857… © SPSG / Daniel Lindner
…und so sieht das Moosbeet heute, 160 Jahre später, aus. © SPSG / Foto: Katrin Schröder

Nach diesen Eindrücken aus den Parks Babelsberg und Sanssouci, möchte ich die Kustodin Katrin Schröder abschließend zu Wort kommen lassen: sie erklärt uns die Besonderheiten des landschaftlichen Teils von Sanssouci - und zwar des wunderschönen Marlygartens.

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