Neubeginn und Tradition

Monarchisches Erbe in Politik und Staat der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Wissenschaftliche Konferenz in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn

Im demokratischen Deutschland wird mitten in der Hauptstadt Berlin ein neues Schloss gebaut. Es soll aber kein Schloss mehr sein, sondern – nach derzeitigem Stand der Planungen – vor allem außereuropäische museale Sammlungen sowie eine Bibliothek enthalten. Als „Humboldt-Forum“ soll es zudem eine Begegnungsstätte für die Menschen der ganzen Welt und ein Ort des Austauschs werden. Das entspricht dem Geist der Globalisierung und unserer Zeit und darüber hinaus dem gegenwärtigen Stand der kulturellen Reflexion. Dennoch gibt die Bundesrepublik Deutschland diesem Bauwerk die äußere, äußerst repräsentative Form eines symbolträchtigen Bauwerks ihrer monarchischen Vergangenheit. Was bedeutet dies?

Blickt man in die jüngere Vergangenheit seit 1945 zurück, so fällt auf, dass die deutsche Demokratie sich uneins war, wie sie mit dem Erbe der Monarchie umgehen sollte, das den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte. In der alten Bundesrepublik wie in der DDR wurden Schlösser zerstört und abgerissen; aber gleichzeitig zogen die Präsidenten der beiden neu gegründeten deutschen Staaten in Schlössern ein – und residierten, empfingen, repräsentierten dort wie einst die Könige und Kaiser.

Bundespräsident Theodor Heuss bezog zwar zunächst die Villa Hammerschmidt in Bonn, 1959 aber auch Schloss Bellevue in Berlin. DDR-Staatspräsident Wilhelm Piek hatte seinen Sitz schon zehn Jahre zuvor in Schloss Schönhausen in Pankow genommen. Hier hatte der Mitbegründer und Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands bereits kurz nach Kriegsende, 1946, seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert. Nach der deutschen Wiedervereinigung verlegte Richard von Weizsäcker den ersten Amtssitz des Bundespräsidenten dauerhaft nach Bellevue.

Aber aus welchen Gründen wählte man für die Präsentation und Repräsentation nach innen und außen in beiden Teilen Deutschlands Schlösser einer vergangenen, so oder so überwunden geglaubten Zeit? Was hat sich an Monarchischem im Zeremoniell und bei den Symbolen erhalten, an welche monarchischen Traditionen wurde angeknüpft? Welche Aussage trifft eine Republik, wenn sie sich ihres monarchischen Erbes bedient? Diese und weitere Fragen sollen im Rahmen der Konferenz erörtert und beantwortet werden.

Die Konferenz wird veranstaltet vom Research Center Sanssouci (RECS) der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und der Abteilung Neue Geschichte, Lehrstuhl Geppert, der Universität Bonn 


Abbildungen Schloss Schönhausen / Bildergalerie, v.l.n.r.:
Hofseite, Historische Aufnahme 1965. Foto: SPSG
Hofseite, 2004. Foto: Wolfgang Pfauder
Gästequartier, Damenschlafzimmer, Historische Aufnahme 1965. Foto: SPSG
Gästequartier, Damenschlafzimmer, 2009. Foto: Günter Schneider
Haupttreppenhaus, 2011. Foto: Leo Seidel

Tagungsprogramm | Freitag, 25. September 2015

9:30–10:00 Uhr
Begrüßung, Einführung
Jürgen Luh, SPSG

10:00–11:00 Uhr
Das letzte Monarchenfest. Die Hochzeit der Kaisertochter Viktoria Luise in Berlin 1913
Barbara Beck, Augsburg

11:00–11:30 Uhr
Kaffeepause

11:30–12:30 Uhr
Bonn und Berlin als Regierungssitze
Dominik Geppert, Universität Bonn

12:30–14:00 Uhr
Mittagspause

14:00–15:00 Uhr
Schlösser im Dienst demokratischer Repräsentation
Thomas Klemmer, Universität Bonn

15:00–16:00 Uhr
Augustusburg und Schönhausen. Die Präsenz der monarchischen Vergangenheit in der Außendarstellung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR
Simone Derix, Universität Mainz

16:00–16:30 Uhr
Kaffeepause

16:30–17:30 Uhr
Staatszeremoniell und Protokoll in Ost und West
Martin Löer, Potsdam im Gespräch mit Marc Jumpers, SPSG

17:30–18:30 Uhr
Staatsempfang: Funktion und Ablauf
Heinrich Seemann, Kleinmachnow

Tagungsprogramm | Samstag, 26. September 2015

9:30–10:30 Uhr
Staatliche Symbole und Traditionen: Fahnen, Wimpel, Orden, Auszeichnungen
Daniel Hohrath, Armeemuseum Ingolstadt

10:30–11:00 Uhr
Kaffeepause

11:00–12:00 Uhr
Monarchisches Erbe und Landesbewusstsein in Bayern/Thüringen nach 1918/1945
Hartmut Ellrich, Ohrdruf

12:00–13:00 Uhr
Neue Schlösser braucht das Land? Ein neuer Schlossbau für Berlins Mitte
Jens Bisky, SZ, Berlin

13:00 Uhr
Ende der Konferenz

25.09.2015 09:30 Uhr -
26.09.2015 13:00 Uhr

Freitag, 25.9.2015 von 9:30 Uhr bis 18:30 Uhr;
Samstag, 26.9.2015 von 9:30 Uhr bis 13 Uhr

Adresse

Bundesakademie für Sicherheit
Schlossanlage Schönhausen
Ossietzkystraße 44/45

13187Berlin
Zur Infoseite des Veranstaltungsortes
Berlin, Schloss Schönhausen, Gartenseite, mit Bassin.

Anreise

Preise

Tagungsgebühr inkl. Kaffeepausen: 5 Euro
Mittagessen (verbindliche Anmeldung erforderlich): 7,50 Euro

Der Betrag ist vor Ort zu entrichten.

Zugänglichkeit

  • rollstuhlgeeignet

Anmeldung

Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung zur Tagung und zum Mittagessen bis spätestens zum 15. September 2015 per E-Mail an Dr. Julia Klein: j.klein(at)spsg.de