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UNESCO Welterbe

  König Friedrich Wilhelm IV.

Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen
geb.: 15.10.1795 in Berlin
gest.: 02.01.1861 im Schloss Sanssouci
Begräbnisstätte: Friedenskirche im Park von Sanssouci; das Herz im Mausoleum im Park von Schloss Charlottenburg in Berlin

Friedrich Wilhelm IV.,<br>Gemälde von Wilhelm Wach
Friedrich Wilhelm IV.,
Gemälde von Wilhelm Wach

Regierungszeit: 07.06.1840 - 02.01.1861
Eheschließung am 29.11.1823 mit Elisabeth Ludovika von Bayern

Friedrich Wilhelm IV. war vor allem empfänglich für das "Edle und Schöne". Seine Neigung zur Romantik wurde in der Jugendzeit in den Schulwissenschaften und der Philosophie durch die Erzieher Delbrück und Ancillon befördert. Doch erhielt der Kronprinz auch eine solide militärwissenschaftliche Ausbildung durch Scharnhorst und Knesebeck. Mit der Finanzlehre machte ihn Niebuhr bekannt, der ihn zusammen mit Savigny und Lancizolle auch in Rechts- und Staatswissenschaften unterrichtete. Schinkel und Rauch förderten darüber hinaus das künstlerische Talent Friedrich Wilhelms. Während der Befreiungskriege 1813 und 1814 wohnte der Kronprinz den meisten Hauptereignissen bei, wurde bald Militärgouverneur und Statthalter von Pommern und nahm an den Sitzungen des Staatsrats und des Staatsministeriums teil. Eine Reise nach Paris und nach Italien 1828 regten ihn später immer wieder zu künstlerischen Projekten an.

Bald nachdem er den Thron bestiegen hatte, erkannte er durch öffentliche Proklamation das Versprechen seines Vaters, Friedrich Wilhelms III., an, dem Land eine zeitgemäße, repräsentative Verfassung zu geben. Dabei ging er in seiner Liberalität über die Vorstellungen Friedrich Wilhelms III. weit hinaus: Er begnadigte eine Anzahl wegen politischer Vergehen Verurteilter, setzte Ernst Moritz Arndt wieder in seine Bonner Professur ein, berief Eichhorn und Boyen zu Ministern, zog bekannte Literaten und Künstler wie etwa Schlegel, Tiek, Schelling und Mendelsohn-Bartholdy in seine Nähe und stiftete die noch heute existierende Friedensklasse des Ordens Pour le Mérite für Kunst und Wissenschaften. Außerdem gewährte er eine größere Pressefreiheit, setzte die katholischen Erzbischöfe Dunin und Droste-Vischering wieder in ihre Würden ein und gab den Altlutheranern und anderen der Union Widerstrebenden mehr Freiraum.

Die Vorstellungen, einen Landtag für ganz Preußen zu schaffen, wies Friedrich Wilhelm IV. allerdings zurück. Eine in Verfassungsregeln eingebundene Monarchie lag nicht in seiner Vorstellungswelt. Für ihn war es nicht denkbar, die Führung des Staates mit gewählten Repräsentanten zu teilen. Jede Abwendung von der Monarchie bedeutete für Friedrich Wilhelm eine Abkehr von der von Gott gewollten Ordnung. So äußerte er: "Es gibt Dinge, die man nur als König weiß, die ich selbst als Kronprinz nicht gewußt und erst als König erfahren habe." Diese Haltung entsprach seiner das Mittelalter idealisierenden Geisteshaltung, derentwegen man ihn als "Romantiker auf dem Thron" bezeichnet hat. In der Tat waren seine politischen Vorstellungen an einer Ständemonarchie ähnlich der des Mittelalters ausgerichtet.

So nahm im Lande die Unzufriedenheit mit der königlichen Regierung zu. Es kam zu Unruhen, die ihre Höhepunkte im Aufstand der schlesischen Weber im Juni 1844, in zahlreichen lokalen Aufständen und Unruhen 1847 und schließlich in der Revolution von 1848 hatten. Erst die Revolution trieb den König zu Reformen, nachdem die lange versprochene Berufung der Reichsstände, die am 3. Februar 1847 erfolgt war, keine dauerhafte Einrichtung hatte sein sollen.

Was Friedrich Wilhelms Außenpolitik anlangt, so lehnte er die ihm vom Frankfurter Paulskirchen-Parlament angebotene deutsche Kaiserkrone ab, weil er sie für ein Geschenk der Revolution hielt, versuchte aber, unter dem Einfluß seines Ministers Radowitz eine deutsche Union unter Preußens Führung zu schaffen. Doch konnte er sich gegen Österreich nicht durchsetzen. Während des Krimkriegs hielt der König zu Rußland - gegen die Stimmung im Land und ohne Erfolg. An einer unaufhaltsamen Krankheit leidend, unterzeichnete Friedrich Wilhelm am 23. Oktober 1858 eine Ordre für seine Stellvertretung und setzte seinen Bruder Wilhelm als Prinzregenten ein. Der König starb schließlich am 2. Januar 1861.

Was ihm an politischem Talent fehlte, besaß er an künstlerischem. Das Interesse des hochbegabten Königs lag vor allem auf dem Gebiet der Architektur. Eine große Zahl seiner Zeichnungen und Entwürfe sind erhalten, die deutlich seine rege Phantasie und schöpferische Tätigkeit erkennen lassen, aber auch die Plastik und Malerei gehören zu seinem Interessengebiet. Carl Graeb wurde unter ihm zum führenden Architekturmaler. Die Maler Albert Eichhorn, Carl Blechen oder August Wilhelm Schirmer förderte Friedrich Wilhelm besonders. Bedeutende Baumeister, wie Karl Friedrich Schinkel und dessen Schüler Ludwig Persius und Friedrich August Stüler prägten die Bautätigkeit der Zeit ganz wesentlich. Mit Peter Joseph Lenné stand ihm der führende Landschaftsarchitekt Preußens zur Verfügung.

Der Ausbau des Kölner Doms als nationale katholische Kirche war das größte künstlerische Projekt in seiner Regierungszeit. Das Vorhaben eines großen evangelischen Doms in Berlin wurde dagegen nicht verwirklicht. Dafür entstanden andere Kirchenbauten: Im Park Sanssouci die Friedenskirche oder die Heilandskirche in Sacrow.

Der größte Traum des Königs war, durch die Verschmelzung von Architektur und Landschaft aus der Umgebung von Potsdam und Berlin einen großen Garten zu machen. Seine Schlossbauten, eingebettet in gärtnerische Anlagen, entstanden vor allem in der Umgebung Potsdams. Geprägt von Antike und italienischer Renaissance ließ er schon zur Kronprinzenzeit das Schloss Charlottenhof und in unmittelbarer Nähe die Römischen Bäder errichten. Außerhalb von Sanssouci entstand das Belvedere auf dem Pfingstberg. Die große Orangerie in Sanssouci war als Teil einer Höhenstraße geplant, die jedoch nicht fertiggestellt wurde. Der Bau vom Schloss Lindstedt erfolgte nach langer Planung erst kurz vor seinem Tode.

 
 

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