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UNESCO Welterbe

  "Crystall- und Muschelgrotte"

Ein künstlicher Grottenbau im Neuen Garten

Potsdam, Neuer Garten:<br> Mittlerer Saal in der Grotte.<br> Potsdam, Neuer Garten:<br> Küchen-Eremitage in der Nähe der Grotte.<br>
Potsdam, Neuer Garten:
Mittlerer Saal in der Grotte.
Potsdam, Neuer Garten:
Küchen-Eremitage in der Nähe der Grotte.

Im Neuen Garten entstand zwischen 1791/92 und 1794 am Ufer des Jungfernsees auf königlichen Befehl Friedrich Wilhelms II. ein künstlicher Grottenbau. Der Oberhofbaurat Krüger teilte am 5. September 1791 in einem Brief mit, der König habe ihm befohlen, eine Grotte zu bauen, "wovon Höchsterselbe auch bereits die Zeichnung allergnädigst approbiert (bestätigt) habe [...]".

Das Äußere sollte nicht als Kunstwerk erscheinen, sondern den Eindruck eines urtümlich wilden, gewachsenen Naturprodukts vermitteln, einbezogen in die Umgebung mit Ausblick auf die weiten Wasserflächen. Im Gegensatz zum "natürlichen" Außenbau aus Raseneisenerz, Kalktuff, Gipsstein und Schlacke stand die aufwendige, detailfreudige und farbige Innendekoration der drei Kabinette. Für die Grottierung der durch Spiegel, Nischen und Fenstertüren gegliederten Wände kamen neben farbig unterlegtem Marienglas, grünem Serpentinit oder Glasfluss auch Muscheln zur Anwendung.

Die Nutzung der Grotte mit der schönen Aussicht über die Havellandschaft als stiller und versteckter Aufenthaltsort an warmen Sommertagen machte schon bald eine kleine Küche erforderlich. Sie wurde südwestlich vom Grottenbau im Park als rohrgedeckte, mit Eichenrinde verkleidete Ermitage errichtet. Auf dem Dach diente ein aus Eisenblech getriebener Baumstamm mit einer Eule als Esse. Nach 1900 abgerissen, erinnert heute nur noch ein Mauerring an den alten Grundriss.

Wenn auch von einer bewegten Geschichte gezeichnet, so ist aber die Muschelgrotte noch heute als eine der letzten eigenständigen Grottenarchitekturen erhalten. Bereits während der Regierungszeit von Friedrich Wilhelm III. von 1797 bis 1840 vernachlässigt, heißt es auch noch 1863: "Von allen Partien der Königlichen Gärten in Potsdam ist wohl diese Grotte am wenigsten bekannt und besucht [...]".

Durch ihren Standort direkt an der Havel, dem ehemaligen "Grenzfluss" nach der Teilung Deutschlands zwischen Potsdam und Berlin-West, lag dieses Baudenkmal im Grenzstreifen und war dem Verfall preisgegeben. Seit der Wiedervereinigung 1989 konnte durch die Erneuerung der Dachkonstruktion und einer Sicherung der einstigen Grottierung der unausweichliche Untergang gestoppt werden. Nun geht es um die denkmalgerechte Restaurierung und Rekonstruktion der Fassade und der einst prunkvollen Innenräume. Hierbei wird die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg vom "Förderkreis Muschelgrotte im Neuen Garten Potsdam e.V." tatkräftig unterstützt.

Derzeit nur in Sonderführungen zu besichtigen, wird auch dieses Kleinod der Gartenarchitektur nach Abschluss der notwendigsten Arbeiten für die Besucher im Neuen Garten geöffnet werden können.

Förderkreis Muschelgrotte im Neuen Garten Potsdam e.V.
www.muschelgrotte.de

Kontakt:
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Besucherzentrum an der Historischen Mühle
Information

An der Orangerie 1
14469 Potsdam
Tel. +49 (0) 331.96 94-200
Fax +49 (0) 331.96 94-107
mail

 
 

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