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 Ein Quart Geschichte hautnah entdecken

Sonderführungen zur Masterplan-Baustelle Kolonnade in Sanssouci

18.06.2010
Sanssouci, New Palace

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) lädt wieder dazu ein, die Sanierungsarbeiten am größten Natursteinbauwerk im Park Sanssouci, der Kolonnade am Neuen Palais, zu verfolgen. Das monumentale Bauwerk Friedrichs des Großen kann im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms (Masterplan) saniert und damit vor dem Verfall gerettet werden.

Die nächste Führung "Ein Quart Geschichte: Baustelle Kolonnade" findet am Sonntag, dem 20. Juni 2010, um 14:00 Uhr statt. Weitere Führungen stehen jeden dritten Sonntag im Monat (bis 17. Oktober 2010) auf dem Programm.

Weitere Informationen zur Führung [>>>]

 

Die Kolonnade
Friedrich der Große ließ das Neue Palais mit den Communs und der Kolonnade in Rekordbauzeit von 1763 bis 1769 erbauen. Die ersten Pläne stammen von Jean Laurent Le Geay, 1765 übernimmt Carl von Gontard die Weiterführung der Planung. Die Kolonnade ist zwischen zwei obeliskbekrönten Pavillons eingespannt und wird in der Mitte mit dem Triumphtor überhöht, das zunächst ebenfalls einen Obelisken trug.

Nach nur zweijähriger Bauzeit ist die Kolonnade 1769 fertig gestellt. Heinrich Ludwig Manger berichtet in seiner 'Baugeschichte von Potsdam' (1789), dass der Obelisk auf dem Triumphtor dem König missfiel, so dass er ihn wieder abbrechen und durch eine niedrige, oben offene Kuppel ersetzen ließ.

Mit den derzeitigen Sanierungsmaßnahmen wird das Bauensemble um die Mopke komplett wieder hergestellt, womit die lange andauernden Notsicherungsmaßnahmen ein Ende finden. Ursachen für den starken Sanierungsbedarf sind konstruktive Mängel bei der Erbauung sowie einige frühere Restaurierungsarbeiten, wie die Sanierung anlässlich der Olympiade 1936. Auch der Krieg hat seine Spuren hinterlassen.

Ein Teil der Nordkolonnade musste bereits in der 1980er Jahren abgebaut werden, da die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Einige Säulen in diesem Bereich standen nur noch, weil sie von Hilfskonstruktionen abgestützt wurden. Die Kuppel auf dem Triumphtor fehlte seit einer Detonation einer Fliegerbombe am Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch der restliche Baukörper war vom Verfall bedroht.

Die Planung
Die SPSG begann 2003 mit der Planung, die Kolonnade komplett zu sanieren. Bevor jedoch die eigentlichen Restaurierungsarbeiten starten konnten, musste das Bauwerk umfangreich untersucht werden. Zuerst entstanden genaue Zeichnungen von dem Gebäude, dann wurde die gesamte Kolonnade verformungsgerecht vermessen.

Da es sich bei diesem Bauwerk nicht um ein gewöhnliches Gebäude mit ebenen Wänden, Decken und Fußböden handelt, sondern alle Formen und Oberflächen dreidimensional gestaltet sind, setzte die SPSG erstmals ein modernes 3D-Scan-Verfahren ein. Mit dessen Hilfe entstand ein komplettes dreidimensionales Modell im Computer. So konnten vorhandene Bauschäden und deren Ursachen genau kartiert, aber auch Konstruktion, Gestaltung und Geschichte des Gebäudes erforscht werden.

Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen sowie zusätzlichen Erkenntnissen aus schriftlichen Quellen, Abbildungen und chemischen Analysen wurde ein Konzept erstellt, wie die Kolonnade nach Abschluss der Arbeiten einmal aussehen soll. Leitbild dabei ist immer, soviel wie möglich von der vorhandenen Bausubstanz zu erhalten. Sowohl ein Großteil des Wiederaufbaus der zurück gebauten Nordkolonnade als auch die Errichtung der Kuppelkonstruktion des Triumphtores soll noch 2010 abgeschlossen werden.

Stand der Sanierungs- und Instandsetzungs­arbeiten
Die Sanierungsarbeiten werden in mehreren Bauabschnitten durchgeführt, von denen der erste – die bauvorbereitenden Maßnahmen – bereits abgeschlossen ist.

Nach der Aufnahme der Bodenplatten und Stufen und dem anschließenden Instandsetzen der Fundament- und Sockelkonstruktion wurde Ende 2008 ein Schutzbelag aus Beton eingebaut, auf dem die Arbeits- und Traggerüste für die Sanierungsarbeiten aufgestellt werden konnten. Damit begannen vor circa einem Jahr die eigentlichen, nun auch sicht- und erlebbaren Arbeiten am Baudenkmal.

Mit Sicherungsmaßnahmen an noch vorhandenen Putz und Farbfassungen im Südpavillon und am Triumphtor sowie mit der zimmermanns- und restauratorischen Aufarbeitung der Holzkonstruktion der beiden Obelisken konnten wichtige Maßnahmen zur Erhaltung der originalen Bausubstanz bereits größtenteils abgeschlossen werden. Die dann auch an der kupfernen Außenhaut restaurierten Obelisken werden planmäßig in der zweiten Jahreshälfte 2011 auf die Pavillonbauten aufgesetzt.

Derzeit bereiten die Fachleute das Triumphtor für den Wiederaufbau der Kuppelkonstruktion Ende 2010 vor. Die Triumphtorkuppel wird in den historischen Abmaßen und Formen in einer modernen Holzkonstruktion mit Kupfereindeckung und einer verglasten Öffnung den Mittelbau krönen. Die Sandsteinskulpturen des Triumphtores werden ebenfalls restauriert und derzeit in situ durch gerichtete Wasserströmungen entsalzt. Dabei werden die substanzschädigenden löslichen Salze aus dem Sandstein in die aufgelegten Kompressen ausgewaschen.

Im Nordkolonnadenbereich wurden die Säulen und Kapitelle des Außenrings wieder aufgestellt und gerichtet. Auf diesen Säulen werden Tag für Tag neue Architekturteile aus Schlesischem Sandstein aufgesetzt. Die Joch- und Architravsteine wie auch die Fries- und Gesimsschichten wurden mittlerweile in fünf Jochen wieder aufgebaut. In den vergangenen Wochen konnten die ersten Gurtbögen eingesetzt werden, die den Raum vom inneren zum äußeren Säulenring überspannen. Dazwischen wird ab Mitte Juli das neue Ziegelgewölbe eingemauert, welches in der gleichen historischen Bauweise errichtet wird wie das noch vorhandene Gewölbe der Südkolonnade.

Dort können nun durch den Rückbau der mit Teer und Holzschutzmitteln kontaminierten Dachkonstruktion die Deckengewölbe aus Ziegelmauerwerk und Gurtbögen aus Naturstein aufgearbeitet werden. Auch die gesamte Balustrade musste dazu zeichnerisch aufgenommen, verortet und vorsichtig demontiert werden. Die einzelnen Sandsteinelemente wie Baluster, Postamente, Abdeckungs- und Sockelsteine werden parallel in Arbeitsschauern restauriert. Ebenfalls müssen nahezu alle noch am Bauwerk befindlichen Architekturteile in den Sommermonaten 2010 und 2011 restauriert werden.

Der Masterplan wird gefördert vom Bund (Beauftragter für Kultur und Medien) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie aus Mitteln der Länder Berlin (Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten) und Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur).  

Ihre Ansprechpartner beim Presserundgang:
Volker Thiele,    Bereichsarchitekt Sanssouci
Frank Aulbach,  Projektkoordinator
Detlef Röper,    Fachingenieur Naturstein

Weitere Sonderführungen zum Masterplan
 

Mit kleiner Spende Großes retten:
www.einquartgeschichte.de

 

Neues Palais, Potsdam 2012:
www.friederisiko.de

Your contact persons
Elvira  Kühn
Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0331.96 94-195
Fax. 0331.96 94-106

Allee nach Sanssouci 6
14471  Potsdam

E-Mail:

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