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UNESCO Welterbe

  König Wilhelm I., seit 1871 Kaiser Wilhelm I.

Wilhelm I., König von Preußen, Deutscher Kaiser
geb.: 22.03.1797 im Berliner Schloss
gest.: 09.03.1888 im Kaiser Wilhelm Palais in Berlin
Begräbnisstätte: Mausoleum im Schlossgarten Charlottenburg in Berlin

Kaiser Wilhelm I. Kaiser Wilhelm I. als Roter Jäger zu Pferde<br>Gemälde von Eduard Grawert
Kaiser Wilhelm I. Kaiser Wilhelm I. als Roter Jäger zu Pferde
Gemälde von Eduard Grawert

Regierungszeit:
18.10.1861–09.03.1888: König von Preußen,
seit 23.10.1857: Stellvertreter seines erkrankten Bruders Friedrich Wilhelm IV.
seit 07.10.1858: Regent
seit 18.01.1871: Deutscher Kaiser

Eheschließung:
am 11.06.1829 mit Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach

Nachfahren:
Zwei Kinder: Friedrich Wilhelm; Luise

 

Wilhelm I. gilt heute nicht als großer Gestalter preußisch-deutscher Geschicke. Er steht im Schatten anderer Größen seiner Zeit – im Schatten Bismarcks vor allem, was die Politik betrifft, aber auch in dem Moltkes oder Roons, was das Militärische anlangt. Wilhelms Zeitalter habe – so eine unlängst vorgetragene historische Bewertung – eine analytische Fähigkeit und eine Risikobereitschaft verlangt, die den simplen Charakter und das schlichte Auffassungsvermögen der Kaisers und Königs überfordert hätten. Solche Sicht ist nicht neu. Schon Königin Luise, die stets klug und überlegen dargestellte Mutter Wilhelms, beschrieb den Sohn als "einfach, bieder und verständig". Wohl nicht zuletzt dieser Worte wegen findet das Bild von Kaiser Wilhelm I. als Biedermann bis heute Verwendung.

Doch so schlicht wie vorgegeben war Wilhelm nicht. Dinge, die zu erreichen er sich in den Kopf gesetzt hatte, verfolgte er hartnäckig. Konnte er seine Vorstellungen nicht selber verwirklichen, suchte er sich Mitkämpfer, die für ihn und seine Sache stritten: Bismarck eben und Roon und Moltke. Dass er bei diesen starken Köpfen auch Kompromisse eingehen musste, war selbstverständlich und darf nicht als Zeichen der Schwäche mißdeutet werden.

Ein wesentliches Anliegen Wilhelms war die Stärkung von Preußens Heer in Macht und Ansehen. Die Konzentration auf das Militärische war durch die Erziehung früh geweckt worden. Mit siebzehn Jahren begleitete er seinen Vater, Friedrich Wilhelm III., 1814 auf dem Feldzug nach Frankreich. Dort erhielt Wilhelm bei Bar-Sur-Aube das Eiserne Kreuz. Nach dem Krieg gegen Napoleon stieg er die Stufen der militärischen Rangfolge rasch empor – im Alter von 21 wurde er zum Generalmajor befördert, als 28-Jähriger kommandierte er als Generalleutnant das Gardekorps. 1849 hatte er den Oberbefehl über die preußischen Truppen, die die Erhebungen in der Pfalz und in Baden niederwarfen.

Ein Jahr zuvor war Wilhelm noch im englischen Exil gewesen. Dorthin hatte er sich begeben müssen, weil die Berliner Bevölkerung der Meinung war, er und nicht sein Bruder König Friedrich Wilhelm IV. habe während der Märzrevolution 1848 den Einsatz der Artillerie gegen das Volk angeordnet. Wilhelms Vorliebe für das Militär brachte ihm damals den Beinamen "Kartätschenprinz" ein.
Fortan hielt er sich politisch bedeckt, verbrachte viel Zeit in Schloss Babelsberg und verharrte still an seinen Kommandostellen. Als er 1857 zunächst Stellvertreter des kranken Königs wurde und 1858 dann als Regent an die Spitze der Regierung trat, war ihm die öffentliche Meinung daher wieder günstiger. Nun setzte man große Hoffnungen in ihn. Doch nach seinem Regierungsantritt 1861 wuchs das Mißtrauen gegenüber Person und Politik wieder an. Wilhelm büßte an Popularität ein, weil er wegen seines Willens, eine Heeresreform durchzusetzen, den sogenannten Verfassungskonflikt provozierte und in dieser Auseinandersetzung mit all seiner königlichen Autorität für das Ministerium Bismarck eintrat. Die Siege in den Kriegen von 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/71 gegen Frankreich wandelten diese neuerlich Verstimmung aber in eine seither anhaltende, tiefe Verehrung des im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamierten Monarchen.

Dieser Titel war Wilhelm allerdings weniger wichtig als der des Königs von Preußen. Mit der am 18. Oktober 1861 privat inszenierten Krönung hatte er der Öffentlichkeit noch einmal die vom Parlament unabhängige, ehrwürdige Macht des preußischen Königtums demonstrieren wollen, an der er immer festzuhalten gedachte. Dem – in seinen Augen – Grundpfeiler dieser Macht, der Armee, ließ Wilhelm mit der Ruhmes- und Feldherrenhalle im Berliner Zeughaus ein Denkmal setzen. Dieses Museum verherrlichte die Waffenerfolge des preußischen, dann preußisch-deutschen Heeres. Mit seinen Schlachtenbildern, Waffen und Erinnerungsstücken wurde es ein Publikumsmagnet und prägend für das Bild, das die Bevölkerung von Geschichte, Reich und Kaiser bekam. Als Wilhelm I. nach seinem Tod aufgebahrt im Berliner Dom lag, nahmen Zehntausende vom "guten alten Kaiser" Abschied.

 
 

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