Schönhausen entdecken
Wiederherstellung von Schloss und Garten Schönhausen 2005-2009
Nach fast fünfjähriger Sanierung der Fassaden, Innenräume und des Gartens ist Schloss Schönhausen seit 19. Dezember 2009 zum ersten Mal als Museumsschloss der Öffentlichkeit zugänglich. Kurator Dr. Alfred Hagemann und Denkmalpfleger Dr. Detlef Fuchs (beide SPSG) berichten von den Wiederherstellungsarbeiten – und blicken zurück auf einen Weg voller spannender Entdeckungen und Herausforderungen.
Restaurierung des großen Saales von Schloss Schönhausen
Königin Elisabeth Christine ließ in Schloss Schönhausen 1763/64 einen prächtigen Festsaal mit erlesenen Stuckdekorationen einbauen. Nach den Kriegsverlusten in anderen Schlössern Berlins ist es heute der letzte original erhaltene Rokoko-Saal der Stadt. Die eleganten Stuckaturen von Johann Michael Graff können nun mit der großzügigen Unterstützung der Cornelsen Kulturstiftung von den zahlreichen Übermalungen des 20. Jahrhunderts befreit werden.
Restaurierung wertvoller Papier-Tapeten des 18. Jahrhunderts
Papier ist ein empfindliches Material und so verwundert es nicht, dass Papiertapeten des 18. Jahrhunderts eine große Kostbarkeit sind. Mit der großzügigen Unterstützung der Freunde der preußischen Schlösser und Gärten können zwei besonders schöne Exemplare aus Schloss Schönhausen bald wieder an ihrem ursprünglichen Ort angebracht werden. Königin Elisabeth Christine hatte die nach französischen Vorbild geschaffenen Tapeten um 1795 anbringen lassen.
Restaurierung der Sänfte von Königin Elisabeth Christine
Fast ein halbes Jahrhundert lang ließ sich Königin Elisabeth Christine bei ihren Sommeraufenthalten in Schönhausen in einer eleganten schwarzen Ledersänfte herumtragen. Erst lange nach ihrem Tod gelangte die Sänfte in den Marstall in Berlin, wo sie 1918 während der Revolution beschädigt wurde. Nun wird sie mit großzügiger Unterstützung der Freunde der preußischen Schlösser und Gärten restauriert und kann nach Schönhausen zurückkehren.
2008
Tage der offenen Tür am 8. und 9. November 2008
Im letzten November bot die SPSG der Öffentlichkeit die Gelegenheit, den Fortschritt der Arbeiten im Schloss selbst in Augenschein zu nehmen. Das Interesse war enorm - in zwei Tagen strömten über 6.000 Neugierige durch das Schloss. Neben Informationen zur künftigen Nutzung der Räume, gab es einmalige Einblicke in die laufenden Restaurierungsarbeiten. Den Abschluss des Tages bildete jeweils ein stimmungsvolles Konzert im wunderschönen Rokoko-Saal.
Fassadensanierung
Schloss Schönhausen wurde 1982 mit einem grauen Glaskröselputz versehen. Dieser beeinträchtigte nicht nur die Wirkung der Fassade, sondern führte vor allem zu schweren Feuchteschäden. Die nun sichtbare Neugestaltung orientiert sich mit dem Rotockerton an dem Erscheinungsbild des 18. Jahrhunderts, zugleich aber ermöglicht der traditionelle Kalkputz wieder das Entweichen von Feuchtigkeit aus den Innenräumen.
Garten
Der Garten um Schloss Schönhausen wurde 1950 von Reinhold Lingner neu angelegt und ist ein bedeutendes Beispiel der Gartenkunst seiner Zeit. Nach der bereits erfolgten Staudenpflanzung sollen in den kommenden Monaten durch den Wiederaufbau der Pergola, die Instandsetzung des Vogelbrunnens und der schlossnahen Wege und Platzflächen die ursprünglichen Qualitäten wieder erlebbar werden.
Dekontamination
Bei der Renovierung von Schloss Schönhausen 1964/1965 wurde in weiten Teilen ein giftiges Holzschutzmittel verwendet. Um das Schloss dennoch öffentlich zugänglich machen zu können, wurden die kontaminierten Hölzer freigelegt und dann von der Umgebung isoliert. Auf diese Weise konnte die Kontaminierung unschädlich gemacht werden, ohne die historische Substanz zu zerstören.
Ausstattung
Bei der Restaurierung von Kunstwerken für Schloss Schönhausen ist ein Porträt von Elisabeth Christine, das Fréderic Reclam (1734-1774) um 1765 schuf, von besonderem Interesse. Es zeigt im Hintergrund die Ansicht des 1763 umgebauten und erweiterten Schlosses. Die Reinigung und Festigung der Leinwand und die Restaurierung des wertvollen, geschnitzten Rahmens ist die Voraussetzung für die Präsentation ab 2009.