Julius Schlegel (1825 - ca. 1884) hat detailreiche Ansichten der Potsdamer Parklandschaft sowie
verschiedener Gegenden Italiens hinterlassen. Seine Zeichnungen gelten als präzise historische
Darstellungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und dienen heute als bedeutende Zeugnisse
und Quellen. Über den Künstler war bislang wenig bekannt. Recherchen in mehreren deutschen
und italienischen Archiven haben nun eine umfangreiche Zeittafel möglich gemacht, die die
Kenntnisse über die Biografie Schlegels erheblich erweitert.
Mit Hilfe der Unterlagen im Domstiftsarchiv in Brandenburg konnte jetzt unter anderem sein
Geburtstag ermittelt werden. Julius Schlegel wurde am 20.9.1825 als Sohn des Rechnungsrates
und Hauptmanns Johann Emanuel Schlegel geboren. Seine Mutter war eine Potsdamer
Bäckerstochter. Malen und Zeichnen lernte Schlegel bei dem Potsdamer Maler Carl Gustav
Wegener (1812-1887) und dem Bauinspektor Christian Heinrich Ziller (1791-1868). Er besuchte
von 1844 bis 1846 die Landschaftsklasse der Akademie der Künste in Berlin und war von 1846 an
regelmäßig mit seinen Werken auf den Ausstellungen der Akademie vertreten.
1847 ging Schlegel mit seinem Lehrer Wegener auf die damals übliche Italienreise, um seine
künstlerischen Fähigkeiten zu vervollkommnen. Während Wegener bald wieder abreiste, blieb
Schlegel acht Jahre in Italien. Am Leben der Künstler in Rom nahm er regen Anteil. So wurde er
1854 und 1855 in den Vorstand des dortigen Deutschen Künstlervereins gewählt.
Julius Schlegel war während seiner Schaffenszeit unter allen preußischen Regenten tätig. Der
Gesandtschaftsmitarbeiter in Rom und Florenz, Alfred von Reumont (1808-1887), hatte 1849 den
Kontakt zu Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) hergestellt. Er empfahl dem König den in Rom
weilenden jungen und talentierten Potsdamer Landschaftsmaler. Wilhelm I. (1797-1888) erwarb
eines seiner Gemälde auf der Akademie-Ausstellung in Berlin, und Friedrich III. (1831-1888)
ernannte Schlegel bereits als Thronfolger zu seinem Hofmaler und machte ihn später zum
Zeichenlehrer seiner Kinder. Schlegel unterrichtete somit unter anderem den kunstinteressierten
und talentierten Kronprinzen und späteren deutschen Kaiser Wilhelm II. (1859-1941).
Schlegels Zeichnungen können ab dem 12. August 2006 täglich (außer montags) zwischen 10 und
17 Uhr in den Römischen Bädern besichtigt werden.
Seine Ölbilder befinden sich hauptsächlich in Privatbesitz. Ein einziges Gemälde Schlegels konnte
1991 für die Schlösser zurückerworben werden. Es handelt sich um eine "Landschaft mit Flucht
nach Ägypten" aus dem Jahre 1851, die im Schloss Glienicke ausgestellt ist und dort besichtigt
werden kann.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von 9,90 Euro.
Ausstellungsort: Römische Bäder im Park Sanssouci / Potsdam
Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr (letzter Einlass)
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2,50 Euro
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