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UNESCO Welterbe

  Sophie Charlotte von Hannover

* 30.10.1668 im Schloss Iburg bei Osnabrück
† 01.02.1705 im Schloss zu Hannover-Herrenhausen
Begräbnisstätte: Dom zu Berlin

Zweite Gemahlin König Friedrichs I. in Preußen

Noel Jouvenet III. zugeschrieben: Sophie Charlotte, Jugendbildnis, Foto: Roland Handrick
Noel Jouvenet III. zugeschrieben: Sophie Charlotte, Jugendbildnis, Foto: Roland Handrick

Sophie Charlotte war die einzige Tochter unter sieben Kindern des Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und seiner Gemahlin Sophie von der Pfalz. Sophie Charlotte war durch ihre Mutter von Kindheit an sorgfältig und umfassend erzogen worden. Zeitlebens hatte sie zu ihr ein besonders inniges Verhältnis. Während eines Frankreichaufenthalts mit ihrer Mutter lernte die 11jährige 1679 bei ihrer Cousine, Liselotte von der Pfalz, – der durch ihren aufschlussreichen Briefwechsel berühmt gewordenen Herzogin von Orléans –, in Versailles den tonangebenden Hof Europas kennen. Hochgebildet, geistreich und vielseitig begabt – sie sprach fließend französisch, englisch und italienisch – schien sie für eine glänzende Stellung geradezu prädestiniert.

Die gewünschte Verbindung mit einem französischen Prinzen kam jedoch nicht zustande, statt dessen wurde sie aus machtpolitischen Erwägungen am 8. Oktober 1684 in Herrenhausen bei Hannover mit dem Kurprinzen Friedrich (III.) von Brandenburg vermählt. Mit der Welfenprinzesin hielt in der traditionsarmen Ahnenreihe der Hohenzollern jetzt eine Frau Einzug, die mütterlicherseits königlichen Geblüts und väterlicherseits eine Nachfahrin Heinrichs des Löwen war. Allerdings hatte sich Sophie Charlotte am brandenburgischen Hof mit seinen altmodischen Sitten nie richtig wohlgefühlt; sie nutzte jede Gelegenheit, nach Hannover zu reisen. Das Verhältnis zu ihrem Mann gestaltete sich bald äußerst schwierig; nach kurzer Zeit führte das Paar eine Ehe auf Distanz.

Sophie Charlotte entsprach sicher nicht Friedrichs Idealbild von einer frommen und zurückhaltenden Gemahlin. Sie war zu impulsiv und verlangte nach Teilhabe am höfisch-politischen Geschehen, das sie mit Weltgewandtheit, Geschmack und Charme zu gestalten wußte. Sie liebte die abendlichen Maskeraden, Bälle und Hoffeste, auf denen sie ihre vielfältigen musikalischen und schauspielerischen Talente effektvoll zur Geltung bringen konnte. Er dagegen zog sich früh zurück, so dass man, wie ein Hofbeamter äußerte, von den Abendveranstaltungen der Königin sogleich zum Morgenempfang des Königs gehen konnte.

Anfangs hatte sie ihren Mann noch zu den verschiedensten Anlässen begleitet: 1689 beobachtete sie mit ihm die Belagerung Bonns, 1690 besuchten sie gemeinsam Ostpreußen, im August 1691 nahm sie an einer Wasserjagd in Mühlenbeck teil. Später jedoch reiste und jagte der Kurfürst allein, die räumlichen Trennungen häuften sich.
Ihre hervorragendste Aufgabe, einem Thronfolger das Leben zu schenken, hatte sie erfüllt, nachdem der Erstgeborene 1685 kurz nach der Geburt starb, das zweite Kind eine Totgeburt war und erst der am 14. August 1688 geborene dritte Sohn Friedrich Wilhelm (I.) überlebte.

Bis 1700 versuchte die Kurfürstin immer wieder politisch Einfluss zugunsten des Welfenhauses auszuüben. Sie beteiligte sich aktiv an Hofintrigen und trug 1697 zum Sturz des Oberpräsidenten Eberhard von Danckelmann bei, der im Spiel um die Gunst des Kurfürsten ihr größter Gegner war, vor allem aber den Etat ihrer Hofhaltung beschnitt.
Der 1695 begonnene Bau ihres Lustschlosses Lietzenburg, das spätere Charlottenburg, mit seiner aufwändigen Gartenanlage, beanspruchte sie finanziell nicht übermäßig. Bedeutend wurde ihr Sommersitz als erster Musenhof in der Geschichte Brandenburg-Preußens.
Ein besonderer Höhepunkt in ihrem Leben sollte die Krönung zur ersten preußischen Königin im Königsberger Schloss am 18. Januar 1701 werden, die Friedrich I. selbst bei ihr vornahm. Anschließend gingen beide zur Salbung in die Schlosskirche, um ihr neues Königtum auch kirchlich segnen zu lassen.

Zurückgekehrt nach Lietzenburg, wo inzwischen großartige Erweiterungen infolge der königlichen Rangerhöhung begonnen hatten, lebte sie wieder ganz nach ihren Leidenschaften. Den Winteraufenthalt im Berliner Schloss verkürzte sie wie so oft durch ihre Reisen zum Karneval nach Hannover. Dort verstarb sie auch ganz unerwartet an den Folgen einer verschleppten Erkältung im Alter von nur 37 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie im Berliner Dom; ein vergoldeter Prunksarkophag von Andreas Schlüter erinnert dort an die Königin und Namenspatronin von Schloss und Stadt Charlottenburg.

 
 

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