Die deutsch-russischen Beziehungen standen oftmals unter keinem guten Stern. Dabei prägt bis heute vor allem die Erinnerung an den Ersten und Zweiten Weltkrieg das allgemeine Bewusstsein. Dass es aber im frühen 19. Jahrhundert auch eine Epoche enger politischer und sogar verwandtschaftlicher Beziehungen gab, ist dagegen weitgehend vergessen: eine Ära des intensiven kulturellen Austauschs und über lange Zeit eine der politischen Übereinstimmung.
Den Grundstein für das enge Verhältnis von Preußen und Russland legte die Freundschaft zwischen dem russischen Zaren Alexander I. und dem preußischen Königspaar Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise, die bei dem ersten Aufeinandertreffen 1802 in Memel entstand. Gefestigt wurde die Beziehung der Herrscherhäuser durch die Heirat der ältesten Tochter Friedrich Wilhelms III. und Luises, Prinzessin Charlotte von Preußen, mit dem Bruder Zar Alexanders, dem russischen Großfürsten Nikolaus. Als Alexandra Feodorowna wird Charlotte 1826 russische Zarin.
Einzigartige Kunstwerke wurden in dieser Zeit und aufgrund der engen politischen Beziehungen der Herrscherhäuser von bedeutenden Künstlern und Kunsthandwerkern in Berlin wie St. Petersburg geschaffen, so etwa von Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, Carl Friedrich Wichmann, Karl Friedrich Schinkel, Franz Krüger, Eduard Gaertner, von Andrej Woronichin, Carlo Rossi, Wassilij Stassow, George Dawe und Heinrich Gambs.
In Potsdam wurde ein russisches Dorf, Alexandrowka, gebaut sowie eine russische Kirche; Berlin bekam seinen "Alexanderplatz". Auf der anderen Seite ließ Nikolaus I. die berühmte Sommerresidenz Peterhof zu einer Kulturlandschaft nach Potsdamer Vorbild formen. Der Baukomplex der Römischen Bäder in Sanssouci wurde zur Vorlage für den Zarinnenpavillon, und in Sanssouci wie in Peterhof wurden die gleichen Skulpturen aufgestellt.
Sichtbarstes Sinnbild preußisch-russischer Gemeinsamkeit waren die berühmten Petersburger Rossebändiger von Clodt, 1841 auf der Anitschkow-Brücke in St. Petersburg aufgestellt, deren Zwillinge 1844 vor das Berliner Schloss gebracht wurden. Bis heute haben sich zahlreiche Spuren dieser Zeit in den Stadtbildern und Gartenanlagen, in den Schlössern und Sammlungen von Berlin und Potsdam, von Sankt Petersburg und Moskau erhalten und nehmen ausdrücklich aufeinander Bezug.
1.Alexander von Humboldt, SPSG
2.Bauern Hof in Rußland, SMB, Kupferstichkabinett - Sammlung der Zeichnungen
und Druckgrafik
3.Lalla Rookh-Vase, Gatschina, Staatliches Museumsreservat
Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin stellt diese Epoche anschaulich dar und präsentiert zahlreiche künstlerische Höhepunkte, die aus dem durch Macht und Freundschaft geprägten Austausch hervorgegangen sind, darunter auch diverse Monumentalvasen, die eigens für die Schau restauriert und erstmals nach dem Krieg wieder zu sehen sein werden.
Begleitende Veranstaltungen
Das Begleitprogramm zur Ausstellung ist abrufbar unter:
http://www.spsg.de/veranstaltungen
Martin-Gropius-Bau, Berlin
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
13. März - 26. Mai 2008
täglich außer dienstags 10-20 Uhr
verlängerte Öffnungszeiten 10-22 Uhr
am letzten Ausstellungswochenende vom 23. bis 25. Mai 2008
Eintritt: 8,00 Euro erm. 6,00 Euro (inkl. Audioguide)
Eine russisch-deutsche Ausstellung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
Verkehrsverbindungen
U-Bahn Linie 2 (Haltestelle: Potsdamer Platz)
S-Bahn Linien 1, 2, 25 (Haltestellen: Potsdamer Platz oder Anhalter Bahnhof)
Busse: M 29 (S Anhalter Bahnhof) | M 41 (Abgeordnetenhaus)
Pressetexte
Pressetext (PDF) (deutsch)
Die englische und russische Übersetzung der aktuellen
Pressetexte können Sie hier direkt herunterladen:
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